18.01.2003
Mehr Kommunikation zum Abbau von Ängsten
(DTPA/IDOR) MARKTREDWITZ: Es fehlt an Information und Kommunikation in den deutsch-tschechischen Beziehungen - auch unter Journalisten, war das Ergebnis des Medieninitiativtreffens, organisiert vom deutsch-tschechischen Informationszentrums IDOR und der EUREGIO EGRENSIS. Neben zwei Vorträgen über die Stimmungen der Bevölkerungen in Deutschland und Tschechien hinsichtlich der EU-Erweiterung bot die Veranstaltung im Marktredwitzer Ost-West-Kompetenzzentrum Journalisten aus der Grenzregion die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Medienvertretern aus dem Nachbarland. Die Notwendigkeit eines Netzwerkes von lokalen und regionalen Medien auf beiden Seiten der Grenze wurde dabei betont.
Nur 33 Prozent der Deutschen halten ihr Land für die EU-Erweiterung für gut gerüstet, 57 Prozent dagegen für nicht gerüstet. Klaus-Peter Schöppner vom Meinungsforschungsinstitut Emnid machte in seinem Vortrag deutlich, dass die eher negative Haltung von einem Teufelskreis bedingt wird: Das Interesse am Thema Europa ist in Deutschland gering, daher werden Informationen darüber auch nicht aufgenommen. Die Deutschen wissen deshalb kaum, was mit der EU-Erweiterung auf sie zukommt, und halten sich demnach auch nicht gut darauf vorbereitet.
Auch die Rolle der Journalisten spielt eine Rolle in diesem Kreislauf, denn wenn kein Interesse am Thema Europa besteht, wird es auch in dem Medien weniger behandelt und gelangt so erst recht nicht ins Bewusstsein der Bevölkerung.
Auch in der Tschechischen Republik ist der Informationsstand über die Mechanismen der EU gering. Vor allem die Bevölkerungsgruppen, die am wahrscheinlichsten von negativen Auswirkungen des EU-Beitritts betroffen wären, sind sich dieser Probleme gar nicht bewusst, erklärte RNDr. Jan Herzmann, vom Prager Meinungsforschungsinstitut Factum. Er prognostiziert außerdem, dass der Ausgang des Referendums über den tschechischen EU-Beitritt von der Wahlbeteiligung abhängen wird. Denn die EU-Gegner sind nicht so gut organisiert wie die Befürworter, die bereits sehr viel stärker für die Abstimmung motiviert wurden. Ziel einer Kommunikationsstrategie sollte Herzmanns Meinung nach nicht nur die Vorbereitung der Bevölkerung auf das Referendum sein. Mit der Kampagne sollten auch nicht zu hohe Erwartungen geweckt werden, die danach eventuell enttäuscht werden.
Der Grenzregion kommt bei der Vorbereitung der Menschen auf die EU-Erweiterung ein besonderer Auftrag zu, wie in der anschließenden Diskussion immer wieder deutlich wurde. Allerdings ist die Situation auf tschechischer Seite nicht die gleiche wie auf der deutschen. Während in Tschechien dort die Bevölkerung am besten über die Erweiterung informiert ist und auch am wenigsten Angst davor hat, sind in Deutschland die Befürchtungen gerade in der Grenzregion am größten. Um das zu ändern, müsse mehr über den Nachbarn berichtet werden, und zwar über Alltägliches, waren sich Schöppner und Herzmann einig. Um das in Zukunft auch mit Hilfe der Kollegen aus dem Nachbarland besser bewerkstelligen zu können, begrüßten die Teilnehmer die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Sie äußerten aber auch den Wunsch, diese zu einem festeren Netzwerk auszubauen. Eine erste grenzüberschreitende Initiative ist die Arbeitsgemeinschaft Medien im Dreiländereck Bayern, Böhmen und Sachsen, die im Dezember 2002 in Chemnitz gegründet wurde.
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