19.09.2002
Journalisten reden über Medienpolitik im Grenzraum
(DTPA/IDOR) BAD ALEXANDERSBAD: Es könnte bald ein frischer Wind durch den deutsch-tschechischen Blätterwald wehen. Zumindest wünschen sich das etwa 20 Journalisten aus den bayerischen, böhmischen und sächsischen Grenzregionen, die am Mittwoch im oberfränkischen Bad Alexandersbad zusammenkamen. Die Euregio Egrensis, Arbeitsgemeinschaft Bayern, und das Deutsch-tschechische Informationszentrum IDOR aus Marktredwitz hatten die Medienvertreter zu einem Erfahrungsaustausch unter dem Titel "Schleppende Verständigung - Medienpolitik im deutsch-tschechischen Grenzraum" eingeladen.
Bislang informiert die regionale Presse vor allem über die Kriminalität im Nachbarland Tschechien - ganz gemäß der Regel "Only bad news are good news" (nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten). Dies konnte Gabriela Zlámal, Mitarbeiterin der Euregio Egrensis Bayern anhand ihrer wissenschaftlichen Untersuchung bayrischer und tschechischer Tageszeitungen belegen. Einen Monat lang untersuchte sie 450 Zeitungen hinsichtlich der Themenauswahl sowie der Häufigkeit der Berichterstattung über das jeweilige Nachbarland. Ihr Fazit: In der deutschen Presse wird zwei bis drei Mal weniger über Tschechien berichtet als im Nachbarland über Deutschland. Schwerpunktthema ist auf beiden Seiten die Grenzkriminalität. Dabei fällt fast die Hälfte der Berichterstattung der deutschen Medien über den Nachbarn negativ aus. Die Tschechen hingegen sind den Deutschen wohlgesonnener: Nur reichlich ein Fünftel der Artikel über Deutsche und Deutschland hat einen negativen Anstrich, gab Zlámal die Ergebnisse ihrer Untersuchung wieder.
Einen der Hauptgründe für die schmale Themenauswahl sieht Werner vom Busch, Chefredakteur des Ringes Nordbayerischer Tageszeitungen (RNT), in fehlenden Kontakten der Kollegen, Chefredakteure, Ressortleiter untereinander. Selbst innerhalb eines Verlages, dem sowohl eine Reihe deutscher als auch tschechischer Zeitungen angehörten, gebe es keinen Austausch, vielmehr übersetze man sich gegenseitig. Damit die Meldungsspalten bayerischer und sächsischen Tageszeitungen künftig nicht nur Nachrichten über Benzin- und Spritpreise, Vietnamesenmärkte, Prostitution oder Autodiebstahl füllen, bedürfe es gewisser finanzieller Anreize zur Veröffentlichung sachlicher Themen, waren sich die Medienexperten am Mittwoch einig. Außerdem beschloss man in Bad Alexandersbad, zum einen die "nahe Nachbarschaft" künftig stärker zu nutzen, Journalisten diesseits und jenseits der Grenze häufiger zusammenzubringen und so den Themenaustausch anzukurbeln. Zum anderen sollen bestehende Initiativen weiter gefördert werden, wie beispielsweise das West-Ost-Recherche-Projekt oder die Deutsch-tschechische Presse-Agentur (dtpa) aus Beierfeld im Erzgebirge.
Finanzielle Zuschüsse erhofft man sich eventuell über die in den Beitrittsländern für Kommunikationsstrategien zur Förderung der Popularität der Erweiterung eingeplanten EU-Gelder.
Damit der frische Wind nicht nur eine kurze Brise bleibt, will man die Ergebnisse der Veranstaltung am 26. Oktober bei einem überregionalen Treffen deutscher und tschechischer Medienvertreter in der Deutschen Botschaft in Prag vortragen und dort weitere Verbündete und Unterstützung finden.

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