23.04.2015
EUREGIO EGRENSIS zieht Bilanz
(DTPA/MT) HOF/PLAUEN: Die diesjährige gemeinsame Pressekonferenz der drei EUREGIO EGRENSIS – Arbeitsgemeinschaften Bayern, Böhmen und Sachsen/Thüringen fand im bayerischen Hof statt. Die Präsidien der drei Arbeitsgemeinschaften zogen Bilanz. In Vertretung des Präsidenten der EUREGIO EGRENSIS AG Sachsen/Thüringen, Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, sprach Andreas Haustein, Präsidiumsmitglied und 1. Beigeordneter des Erzgebirgskreises.
Das Jugendsommerlager 2014 fand diesmal in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge statt. 30 Jugendliche aus allen vier beteiligten Ländern verbrachten eine gemeinsame ereignisreiche Woche Anfang August. Das Schwerpunktthema des Lagers war die Bergbauregion Erzgebirge. Die wie immer durchgeführten Sprachanimationen dienten dem Kennenlernen der Nachbarsprache. Neu war in diesem Jahr ein Vortrag zur Prävention gegen Drogen und insbesondere zum Thema Crystal Speed in Zusammenarbeit mit der Polizei und der Suchtberatung der Diakonie aus Aue. Überraschend war hier nicht nur das allgemein große Interesse der 11- bis 14-jährigen Teilnehmer, es wurden auch viele Fragen gestellt. Es zeigte sich, dass bei den Schülern bereits viel Grundwissen speziell über Crystal vorhanden war.
Über 90 Prozent aller in Sachsen registrierten Drogenkonsumenten sind (auch) Crystal-Konsumenten. Deshalb hat die EUREGIO EGRENSIS die Beschäftigung mit dem Problem Crystal weiterhin geplant. Die AG Sachsen/Thüringen wird das Thema im Rahmen des geplanten zukünftigen Projektes "CLARA 3" zur behördlichen Zusammenarbeit in der Sächsisch-Bayerisch-Böhmischen Grenzregion erneut aufgreifen.
Die Vorbereitungsarbeiten für das Förderprogramm Sachsen-Tschechien 2014-2020 sind nahezu abgeschlossen. Die sächsisch-tschechischen Euroregionen haben sich besonders dafür eingesetzt, dass es Erleichterungen und Vereinfachungen für die Antragsteller geben wird. Die Anwendung von Pauschalen z. B. für Personalkosten und Verwaltungsausgaben wird – zumindest für die Kleinprojekte – obligatorisch. Das reduziert den Aufwand und die Zeitspanne für die Abrechnungen. Die Förderquote bleibt wie bisher bei bis zu 85%.
Für die EUREGIO EGRENSIS ist es ein wesentlicher Fortschritt, dass nun auch bayerische Projektteilnehmer mit gefördert werden können, das war bisher problematisch.
Mit der Bewilligung der ersten Projekte wird im Oktober 2015 gerechnet.
Mit dem Pilotprojekt zu einem "Kulturweg der Vögte" wurde die Grundlage für ein zukünftiges umfangreicheres Vorhaben geschaffen. Die Vögte von Weida mit ihren Nebenlinien prägten die Geschichte der Region von Weida über Greiz und Plauen bis in den Raum um Asch über mehrere Jahrhunderte. Zeitweise waren sie auch königliche Landrichter im Egerland. Die Erinnerung an die Vögte lebt im heutigen Begriff "Vogtland" fort. Zusammen mit dem Verein "Dialog mit Böhmen e.V." aus Greiz, dem staatlichen Gebietsarchiv in Cheb/Eger und weiteren Partnern wurde die Grundlage dafür gelegt, die gemeinsame Geschichte der Region, auf touristischem und kulturellem Gebiet in Zukunft auch gemeinsam zu vermarkten. Hierzu wurden in Fachtagungen und Workshops Experten eingeladen und es entstand eine Sammlung von historischen Stätten und Objekten, die in Form einer Broschüre als Handreichung für Tourismusfachleute und Kultur-Experten dienen soll. Für die Öffentlichkeit entstand eine Wanderausstellung, die in Kürze auch im sächsischen Vogtland zu sehen sein wird.
Seit 2015 existiert ein gemeinsamer Tourismusverband "Vogtland", der die beiden Bundesländer Thüringen und Sachsen auf diesem Gebiet zusammenführt. Der Verband wird bei einem zukünftigen Folgeprojekt zum Kulturweg für das entsprechende Marketingkonzept Verantwortung übernehmen. Auch die bayerische Seite soll in Zukunft stärker einbezogen werden.
Als Gastrednerin würdigte die EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier die enge Zusammenarbeit innerhalb der EUREGIO EGRENSIS in den vergangenen zwei Jahrzehnten. In unzähligen Kleinprojekten und Konferenzen auf der Verwaltungsebene hat man sich kennengelernt und bereits viel erreicht. Sie rief jedoch dazu auf, auch in unserer eher ländlich geprägten Region, innovative Projekte anzugehen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Infrastruktur. Besonders der Breitbandausbau auf dem Land kann Grundlage sein für die Ansiedlung von Unternehmen und z.B. auch Bildungseinrichtungen. Nur dadurch könne unser Raum auch in Zukunft für die Wirtschaft interessant sein und die jungen Leute in der Region gehalten werden. Innovation bedeutet aber auch immer Risiko. Bisher sind die Fördergrundlagen aber meist so gestaltet, dass nur vorhersehbare Projekte gefördert werden. Bei Misserfolgen bzw. bei nicht vorhersehbaren Projektänderungen kommt es zu Kürzungen, bzw. Streichung von Fördermitteln.
Sie persönlich setzte sich dafür ein, dass man bei den Fördermittelgebern in Zukunft mehr Risikobereitschaft findet und sie rief auch die Lokalpolitiker auf, mehr solche innovativen aber risokibehafteten Vorhaben zu unterstützen. Wenn 50% dieser Gelder gut angelegt sind, sei das ein rieseiger Erfolg für die Region, denn die meisten dieser Projekte haben ein sehr hohes Zukunftspotential.

Bild: Vor der Jugendherberge Johanngeorgenstadt wehte im August 2014 die Fahne der Euroregion (Quelle: KJ-Archiv)
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