15.08.2002
Deutsche Buchhandlung von Prag versunken
(DTPA/MT) PRAG: Die Deutsche Buchhandlung von Prag ist in den Hochwasserfluten der Moldau versunken. Der Geheimtipp für Pragreisende ist nicht mehr. Zwar hatte das Personal fieberhaft versucht, mit Sandsäcken Dämme gegen das "Jahrhunderthochwasser" zu errichten, doch die Mühe war vergeblich. Die zu Jahresbeginn komplett renovierte Buchhandlung steht bis zur Decke unter Wasser, der gesamte Warenbestand ist vernichtet. Für den seit zehn Jahren tätigen Verlag Vitalis wiegt die Zerstörung des größten Teiles seiner Lagerbestände in dem an die Buchhandlung anschließenden Verlagslager am schwersten.
Auch die ebenfalls auf der Prager Kleinseite liegenden Verlagsbüros sind schwer in Mitleidenschaft gezogen. Vor dem Kafkaplakat an der Eingangstür ziehen Schwäne und Enten vorbei.
Der Vitalis-Verlag hat sich in den vergangenen zehn Jahren zum wichtigsten deutsch-tschechischen Verlag entwickelt und in bis zu zehn Sprachen publiziert. Zu den Autoren gehörten so wohlklingende Namen wie Hartmut Binder, Hugo Rokyta, Jürgen Born und Heinrich Pleticha. Ob es nach dem Rückgehen des Wassers für den Verlag ein Weiterleben gibt, ist noch nicht abzuschätzen. Der Verleger hofft auf Solidaritätsbestellungen durch den deutschen Buchhandel, denn die in der deutschen Auslieferung LKG in Espenhain lagernden Bücher könnten der Ausgangspunkt für einen Neubeginn sein.

Copyright © 2002 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!