12.12.2014
Zukunftsfonds bewilligte 120 neue Projekte
(DTPA/MT) PRAG/SCHWABACH: Das Rathaus der bayerischen Stadt Schwabach war Gastgeber für die Sitzung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF). Der Verwaltungsrat bewilligte in deren Rahmen die Fördersumme von 789.000 Euro für 120 neue grenzüberschreitende deutsch-tschechische Partnerprojekte in den verschiedensten Förderbereichen – beginnend mit der Renovierung von Denkmälern über Programme für die Jugend oder Fachkonferenzen bis hin zur Kultur.
Die Renovierung von Denkmälern ist traditionell ein Weg, Deutsche und Tschechen im Grenzgebiet zusammenzubringen. Die Projektanträge in dieser Kategorie werden nur einmal jährlich behandelt und waren deshalb ein zentraler Punkt der Tagesordnung. "Die Renovierung verschiedenster regionaler Dominanten ist einer der sichtbarsten Beweise in der Entwicklung der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit. Darüber hinaus ist dies ein Weg, wie man im Grenzgebiet das Gefühl der Verbundenheit zwischen beiden Völkern sowie den Aufbau gemeinsamer Werte stärken kann," sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrates Albrecht Schläger.
Auswahl der auf der letzten Sitzung bewilligten Projekte: Die Verwaltung des Nationalparks Riesengebirge geht zusammen mit aktiven lokalen Einwohnern die Renovierung der Klinger Kapelle in Mladé Buky an. Die Kapelle befindet sich in der ehemaligen Ansiedlung Bystřice (Klinge), die ebenfalls wie die Nachbargemeinde Sklenářovice (Glasendorf) sehr bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 erlosch. Ziel des Projektes ist nicht nur die Rettung eines Kulturdenkmals, sondern auch die Bemühung um die Erneuerung der Kontakte zwischen den jetzigen und ehemaligen Einwohnern. Der Zukunftsfonds unterstützt dieses Projekt mit der Summe von 300.000 Kč.
Ein weiteres bemerkenswertes Projekt wird in Strýčice (Stritschitz) in der Region České Budějovice in die Tat umgesetzt. Bereits im Jahr 2013 wurde in dieser Gemeinde ein Verein zur Förderung der Kirche St. Peter und Paul gegründet, der sehr aktiv ist und Kontakt zum Förderverein Pfarrkirche Stritschitz unterhält, der im selben Jahr auf deutscher Seite entstand. Deutsche und Tschechen bemühen sich gemeinsam um die Erneuerung der Kirche. Der DTZF steuert 800.000 Kč für die Rekonstruktion des Daches bei.
Das Institut für Kunstgeschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik – konkret Studia Rudolphina: Forschungszentrum für Kunst und Kultur in der Zeit Rudolf II. – plant zusammen mit seinem Partner für den 17. bis 20. März 2015 eine wissenschaftliche Konferenz, die zuerst in Dresden und anschließend in Prag stattfinden soll. Die Teilnehmer werden sich mit den verschiedenen Aspekten der gegenseitigen Beziehungen zwischen dem Kaiserhof Rudolf II. in Prag und dem sächsischen Kurfürstenhof in Dresden Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts beschäftigen. Der Fonds unterstützt die Veranstaltung mit 105.000 Kč.
Ein internationales Team von Kunsthistorikern und Vertretern der Galerie in Pilsen und in Regensburg planen ein Projekt mit dem Titel München – strahlende Kunstmetropole (1870 – 1918). Es handelt sich um eine Ausstellung, die vom 27. Januar bis zum 6. April 2015 in der Westböhmischen Galerie in Pilsen stattfinden wird. Die Ausstellung wird unter anderem den Einfluss derjenigen Maler und Bildhauer betrachten, die aus den böhmischen Ländern stammen und in München studiert haben oder dort tätig waren (Václav Brožík, Augustin Němejc, Josef Bešta, Josef Douba). Der Zukunftsfonds stellt für diese Veranstaltung, die im Rahmen des Projektes Pilsen – Europäische Kulturhauptstadt 2015 stattfindet, 200.000 Kč bereit, für die begleitende Publikation dann 150.000 Kč.
Fortgesetzt wird die Deutsch-tschechische Fußballschule, die sich langfristig um die Vertiefung der Kontakte zwischen tschechischen und bayerischen grenznahen Jugendteams bemüht. Die Kinder lernen die Sprache und Mentalität der Nachbarn kennen und das Überschreiten der Grenze wird für die Kinder zu einer normalen Begebenheit. Der DTZF fördert die Tätigkeit der Deutsch-tschechischen Fußballschule mit 12.000 Euro.
Die Gesellschaft LOOK OF THE FILM bereitet gemeinsam mit dem deutschen Partner, dem Moses Mendelssohn Zentrum, ein Filmdokument über die Flucht von zwei Häftlingen aus dem KZ Auschwitz vor. Das Werk wird die außergewöhnliche Geschichte von Rudolf Vrba und Alfred Wetzler erzählen, denen nicht nur die Flucht gelungen ist, sondern die es zugleich geschafft haben, mittels eines schriftlichen Berichts die Weltöffentlichkeit auf das Morden in Auschwitz aufmerksam zu machen. Die Reaktion darauf war jedoch unerwartet – niemand wollte ihnen glauben. Der Fonds wird für den Film 300.000 Kronen zur Verfügung stellen.
Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds (DTZF) fördert gezielt Projekte, die Menschen beider Länder zusammenführen und den Blick in ihre Welt, die gemeinsame Kultur und Geschichte ermöglichen und vertiefen. Alljährlich können mit Unterstützung des Fonds mehr als 650 Projekte mit einer Gesamtsumme von mehr als 3 Mio. EUR verwirklicht werden. Seine Tätigkeit nahm der Fonds im Jahr 1998 auf. Die Regierungen beider Länder legten seine Entstehung in der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom Januar 1997 fest. In den ersten 10 Jahren seiner Existenz spielte der DTZF die Hauptrolle bei der Entschädigung der tschechischen NS-Opfer.

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