11.08.2014
Mautpläne belasten Kundenbeziehungen
(SR) BERLIN/CHEMNITZ: Die Mautpläne der Bundesregierung belasten sächsisch- tschechische Kundenbeziehungen. Die IHK Chemnitz stellt dazu fest: "Wenn eine PKW-Maut überhaupt dazu notwendig und geeignet ist, die dringend benötigten Mittel für den Erhalt und den Ausbau der deutschen Straßeninfrastruktur bereitzustellen, dann sollte sich diese nur auf das deutsche Autobahnnetz beziehen und im Kontext mit einer einheitlichen Gestaltung für die gesamte Europäische Union stehen."
Nach dem Wegfall der stationären Grenzkontrollen im Jahr 2007 haben sich die grenzüberschreitenden Kundenbeziehungen in den grenznahen sächsisch- tschechischen Kommunen stetig verbessert. Zu diesem Ergebnis kam bereits 2012 eine IHK-Studie zum grenzüberschreitenden Konsumentenverhalten im südwestsächsisch-tschechischen Grenzraum. Erfreulich auf sächsischer Seite war dabei, dass die Kundenströme, die nach der Wende eher in Richtung der tschechischen Tankstellen und Einkaufszentren führten, sich zunehmend paritätischer gestalteten. Die Studie stellte fest, dass tschechische Kunden mehrmals pro Jahr nach Südwestsachsen reisen, um u.a. Lebensmittel, Drogerieartikel und Bekleidung zu erwerben, und das in einer Größenordnung von durchschnittlich 75 €/Person. Über 90 % nutzen dabei den eigenen PKW.
Nach neuen Berechnungen der IHK Chemnitz geben allein die Bewohner der Regionen Most, Chomutov, Karlovy Vary, Sokolov und Cheb weit über 20 Millionen € jährlich in den sächsischen Einzelhandelsgeschäften aus. Hotels, Freizeiteinrichtungen und weitere Dienstleister profitieren zusätzlich vom zunehmenden Interesse der tschechischen Nachbarn.
Die jüngsten Pläne der Bundesregierung, die PKW-Maut auch auf Bundes-, Land- und Kommunalstraßen auszudehnen, belasten diese positive wirtschaftliche Entwicklung im Grenzraum erheblich. "Es ist fraglich", so der Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, Hans Joachim Wunderlich, "ob unsere tschechischen Kunden gewillt sind, Eintrittsgeld nach Sachsen zu entrichten, denn so gestaltet sich die PKW-Maut nach deren Eindruck."
Nach Ansicht der IHK gilt es dringend abzuwägen, ob die geplante Ausdehnung einer PKW-Maut auf das gesamte deutsche Straßennetz, die Belastung der grenzüberschreitenden Kundenbeziehungen, die zunehmend den periphären Wirtschaftsräumen zugute kommen, rechtfertigt.

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