07.10.2000
Mischinger in alter Heimat Ängste beseitigt
(DTPA/MT) JIHLAVA/IGLAU: Im September wurde von der Regisseurin Karla Sigrun Neuhaus ein Reisedokument über Mähren gedreht. Im Film werden unter anderem Sehenswürdigkeiten von Jihlava (Iglau) gezeigt und der Iglauer Regionalkulturverband (IRKV) vorgestellt. Im IRKV nehmen sich tschechische Staatsbürger deutscher Nationalität seit 1992 der Erhaltung des deutschen Kulturerbes der ehemaligen Iglauer Sprachinsel an. In einem Interview wird das Treffen in Misching vom 10.9. 00 erwähnt.
An diesem Tag nahmen ehemalige "Mischinger" an der Wallfahrt in Polná teil, wo sie offiziell vom Erzbischof von Königgräz Mons. Karel Otcenášek begrüßt wurden. Diese Deutschen lebten bis zur Vertreibung im Jahr 1945 in dem Sprachinseldorf Misching (heute: Mesin) im Iglauer Kreis.
In seiner Begrüßung erwähnte der Erzbischof die guten Kontakte zwischen den Tschechen und (Sudeten)deutschen, die zum Beispiel durch die Ackermanngemeinde zustande kommen. Am Nachmittag trafen sich in Misching zum ersten Mal nach dem 2. Weltkrieg die nach dem Krieg ausgesiedelten Deutschen und die heutigen tschechischen Dorfbewohner von Misching im Wirtshaus des Ortes. Das Wirtshaus war dabei bis zum letzten Platz gefüllt. Beim Treffen ging es vor allem darum, die gegenseitigen Vorurteile auf beiden Seiten loszuwerden und Kontakte auf persönlicher Ebene zu knüpfen.
Im Rahmen dieser Begegnung wurde ein deutsch-tschechischer Vortrag über die Geschichte von Misching gehalten. "Es war gut, dass die Leute zusammen kamen. Alle Vorurteile haben im persönlichen Kontakt an Sinn verloren ", so beurteilte das Treffen der Bürgermeister von Misching Josef Vácha. "Die deutschen Mischinger haben uns beruhigt, dass sie nicht zurückkommen wollen, sie wollten nur das Dorf und uns kennen lernen" sagte Josef Novák, der jetzt in Misching wohnt. Der 73-jährige Hans Folter hat die früheren deutschen Dorfbewohner von Misching in ganz Deutschland aufgesucht und für sie eine Reise zu ihrem Geburtsort organisierte. Er brachte zum Ausdruck, dass die Ängste der tschechischen Bewohner vor der Eigentumsrückgabe keinen Grund mehr haben. Die deutsche Seite hat die Hilfe bei Renovierung der Dorfkapelle und Vermittlung von Sprachaufenthalten für tschechische Kinder aus Misching angeboten.
Der Film über Mähren soll am 3.12.00 um 13:05 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Copyright © 2000 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!