24.12.2013
Junge Köche auf traditionellen Spuren
(MT) ANNABERG-BUCHHOLZ: Weihnachtszeit ist Neunerlei-Zeit im Erzgebirge. Was das typische "Neinerlaa" ausmacht, damit beschäftigten sich in den letzten Wochen die Auszubildenden des Beruflichen Schulzentrums für Ernährung, Technik und Wirtschaft in Annaberg-Buchholz. Sie und Schüler der Berufsfachschule in Nejdek kooperieren gemeinsam im Projekt "Erzgebirge/Krušnohoří kulinarisch erleben – Regionale Küche als Ausdruck einer (wiederentdeckten) gemeinsamen Identität im sächsisch-böhmischen Grenzraum". Langer Titel, kurzer Sinn: Essen ist Tradition und Identität. Um dies zu bewahren und mit Neuerungen der Küche von heute zu verbinden, wurde Anfang 2013 dieses deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt ins Leben gerufen.
Bratwürste brutzeln in der Pfanne, der Duft nach Gänsebraten, Klößen und ein bisschen Aufregung liegt in der Luft. An den großen Töpfen in der Lehrküche des BSZ in Annaberg-Buchholz herrscht rege Geschäftigkeit an diesem Dezembervormittag. Deutsche und tschechische Azubis schwingen mit guter Laune gemeinsam die Schöpfkelle, um ihren Gästen zu zeigen, was sie in den letzten Wochen über erzgebirgische Traditionen gelernt haben. Inzwischen haben die Hotelfachleute eine große Tafel festlich eingedeckt. Man stelle sich vor, es sei heute Heilig Abend, erklärt Barbara Eberlein. Sie und das Lehrteam begrüßen das grenzüberschreitende Projekt sehr. "Es ist wichtig, dass sich ein Azubi mit Traditionen in der Region beschäftigt. Diese Traditionen gilt es von Generation zu Generation weiter zu geben und dann auch unter modernen Gesichtspunkten zu gestalten und öffentlich zu machen", erklärt Matthias Groschupf, Fachlehrer am BSZ für Theorie und Praxis.
Fast vergessene Traditionen an die Köche von morgen zu geben ist nur eine Facette von vielen innerhalb des Ziel-3-Projektes. Die WFE GmbH als Leadpartner hat sich im Projekt neben der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz und der Berufsfachschule SǑS a SOU in Nejdek auch den Tourismusverband Erzgebirge ins Boot geholt. Dieser ist für die touristische Vermarktung der erzgebirgischen Küche als ein authentisches und facettenreiches Produkt mit einem hohen Erlebnisfaktor verantwortlich.
Einen allgemeinen Trend in der Gesellschaft, sich auf Geschichte, Traditionen, das Ursprüngliche zu besinnen, erkennen auch die Projektpartner aus Tschechien. Dies war auch ein Grund für die Berufsschule in Nejdek sich am Projekt zu beteiligen. "Wir wollen die vergessene Geschichte aufwecken. Dieses Thema ist etwas Neues für die Schüler und schon deshalb einfach spannend", erklärt Eva Joklová, Praxis-Ausbilderin in Nejdek.
Als Basis dient im Projekt eine wissenschaftliche Aufbereitung des Themas durch Prof. Gotthard B. Schicker "Kulturgeschichte der Gastronomie im sächsischen und böhmischen Erzgebirge". Der erzgebirgische Kulturwissenschaftler beschreibt das Projekt aus seiner Sicht so: "Die Identität des Erzgebirges wird über den Gaumen stabilisiert. Das Essen und Trinken innerhalb einer Region hat sowohl Kultur- auch als Sozialgeschichte. Es ist interessant, wie sich unterschiedliche Stände zu unterschiedlichen Zeiten in der Historie ernährten und wie aufgrund der Geschichte andere Regionen Einfluss nahmen. Es ist spannend vom Erzgebirgskamm aus zu beiden Seiten die Geschichte über die Kulinarik zu beleben". Details seiner Studie werden im Februar veröffentlicht. Diese sollen dann auch als Empfehlungen dienen, wie man historische Rezepte in der erzgebirgischen Gastronomielandschaft nachhaltig wiederbeleben kann. (Bildquelle: WFE)
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