05.12.2013
141 neue Partnerprojekte bewilligt
(DTPA/MTL) PRAG: Unterstützung für 141 grenzüberschreitende Partnerprojekte stellt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds im vierten Quartal 2013 bereit. Der Verwaltungsrat hat dafür insgesamt 855.500 Euro bewilligt, die in die Zusammenarbeit von Tschechen und Deutschen in den verschiedensten Bereichen von Kultur über Jugend und Schule, Fachveranstaltungen bis hin zu Publikationen fließen.
Im Bereich "Renovierung von Baudenkmälern" gab der Zukunftsfonds 29 Grünes Licht mit einer Fördersumme von insgesamt 273.000 Euro. Von Beginn seiner Fördertätigkeit an, vor 15 Jahren, stand für den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds der Versöhnungsgedanke im Vordergrund. "Gerade die Renovierung von Baudenkmälern im Grenzgebiet hat sich zu einem Muster nicht nur an praktischer Versöhnung, sondern auch intensiver Zusammenarbeit entwickelt", erklärte die tschechische Vorsitzende des Verwaltungsrates, Kristina Larischová. Denn es arbeiteten dabei frühere und heutige Bewohner der Gemeinden Hand in Hand. "Was hier geschieht, macht zumeist keine großen Schlagzeilen. Aber es hat eine wesentlich längere Halbwertszeit als jede schnelle Meldung", betonte der deutsche Ko-Vorsitzende Albrecht Schläger. Projekte können in diesem Bereich ein Mal jährlich beantragt werden.
Insgesamt hat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds im Jahr 2013 Mittel für rund 500 Projektkooperationen freigegeben.
Die Gemeinde Pohl/Polom im Bezirk Olomouc/Olmütz geht gemeinsam mit den ehemaligen deutschen Einwohnern die Rettung des verfallenen Friedhofs mit deutschen Grabsteinen an. Auch das zentrale Kreuz mit der Madonnen-Statue und das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs werden restauriert. Mit der Anbringung einer Gedenktafel entsteht schließlich ein Ort der Erinnerung, an dem sich künftig Deutsche und Tschechen begegnen. Der Zukunftsfonds unterstützt dieses Projekt mit 100.000 Kc.
Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist die Renovierung der denkmalgeschützten Kirche der Schmerzhaften Mutter Gottes in der Gemeinde Hamry/Hammern. Sie befindet sich im ehemaligen Grenzschutzbereich und war nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kaum noch zu retten. Die Kirche wurde schon 1993 instand gesetzt durch das intensive Engagement der deutschen Landsleute, die sich in der Künischen Gemeinde Hammern vereinen. Heute arbeiten sie – mit weiterer Unterstützung des Zukunftsfonds – gemeinsam mit der Gemeinde Hamry am Erhalt der Kirche. In den vergangenen 20 Jahren ist sie zu einer Begegnungsstätte von Deutschen und Tschechen geworden. Es finden hier Gottesdienste, Konzerte, Hochzeiten und Taufen statt sowie einmal im Jahr eine Wallfahrt in Zusammenarbeit mit der bayerischen Pfarrei Lam-Lohberg. Der Zukunftsfonds fördert die weiteren Renovierungsarbeiten mit rund 330.000 Kc.
Was geschieht mit Erinnerungsorten, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Wie können diese Orte durch die junge Generation heute bewahrt, lebendig gehalten und genutzt werden? Mit diesen Fragen befassen sich im kommenden Frühjahr im ehemaligen KZ Theresienstadt über 100 Jugendliche beim 8. Deutsch-Tschechischen Jugendtreffen. Mit Experten und Zeitzeugen diskutieren sie eine künftige Erinnerungskultur und erarbeiten in Workshops Konzepte für die Zukunft. Der Zukunftsfonds unterstützt das Projekt von "Tandem", dem Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch in Pilsen und Regensburg, mit 200.000 Kc.
Gemeinsam "fachpraktisch" über den Tellerrand schauen, das können deutsche und tschechische Fachoberschüler bei einem zweiwöchigen Praktikumsaufenthalt im jeweiligen Nachbarland, organisiert von der Staatlichen Beruflichen Oberschule Bayreuth und der Englisch-Deutschen Handelsakademie Prag. In Länder-Tandems absolvieren die Schüler ihre Praktika, lernen durch die Unterbringung in Gastfamilien die Lebensweise im Nachbarland kennen und erfahren in einem Begleitprogramm viel über die gemeinsame Geschichte. 2.500 Euro trägt der Zukunftsfonds zu dieser "praktischen Begegnung" bei.
Die Ausreisewelle von DDR-Bürgern seit dem Sommer 1989 und ihre Flucht in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland jährt sich 2014 zum 25. Mal. Dieses Ereignis gilt als Katalysator der friedlichen Revolutionen in der DDR und auch in der Tschechoslowakei. Das Hannah-Arendt-Institut aus Dresden und das Prager "Institut für das Studium totalitärer Regime" befassen sich intensiv mit der deutsch-tschechischen Geschichte um die Prager Botschaftsflüchtlinge und erarbeiten gemeinsam eine umfangreiche Ausstellung anlässlich des Jahrestages. Sie beleuchtet für ein breites Publikum die Bedeutung dieser umwälzenden Ereignisse für beide Länder. Die Ausstellung wird in 25 "Kopien" an öffentlichen Orten wie großen Bahnhofshallen in Deutschland und Tschechien präsentiert. Der Zukunftsfonds fördert das Vorhaben mit 8.000 Euro.

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