30.05.2002
Mausoleum erinnert an traurige Geschichte
(DTPA/GS) ANNABERG-BUCHHOLZ: An der Staatsstraße zwischen Sokolov (Falkenau) und Kraslice (Graslitz) befindet sich der idyllische Ort Jindrichovice. Das alte Bergstädtchen liegt am Fuße des böhmischen Erzgebirges. 1340 wird der Name Heinrichsgrün erstmals urkundlich erwähnt und in diesem Jahr begeht der Ort den 465. Jahrestag seiner Ernennung zur Stadt. In früherer Zeit wurde Silber, Zinn und Blei geschürft bzw. gewonnen. Heinrichsgrün hat in seiner Geschichte alle Höhen und Tiefen durchleben müssen. So auch in den Jahren 1914 - 1918. Durch die k.u.k.-Monarchie wurde in dieser Zeit in dem kleinen Städtchen ein riesiges Gefangenenlager, hauptsächlich für serbische, russische und italienische Gefangene errichtet. Es waren an die 28.000 Gefangene. Sie mussten in den Eisen- und Bergbaubetrieben, besonders in Rotava (Rotau) und Chotov (Kotau) arbeiten.
Durch die Gefangenen wurde unter anderem ein riesiger Wasserbehälter für den Ort Heinrichschsgrün und Umgebung gebaut. Dieser besaß ein Fassungsvermögen von zirka 1 Million Liter Wasser. Durch die schwere Arbeit, durch Hunger, einseitiger Ernährung und viele Krankheiten verstarben Tausende Gefangene.
Es war wohl eine ausgefallene Idee, Jahre nach Auflösung des Lagers, den Behälter des Wasserreservoirs in eine Begräbnisstätte für die in der Erde der damaligen Tschechischen Republik ruhenden serbischen, russischen und italienischen Gefallenen umzugestalten. Das damalige Jugoslawien erwarb das Grundstück und erbaute gemeinsam mit Unterstützung der ehemaligen tschechischen Landesregierung das Mausoleum.
Es hat schon was Ergreifendes an sich, wenn man diese Gedenkstätte betritt. Das Wasserhäuschen hat seinen mit serbische und kyrillischen Inschriften versehenen kapellenartigen Charakter erhalten. Ein Modell des Lagers und Fotos verschaffen eine Übersicht über die gewaltigen Ausmaße der Gefangenenunterkünfte.
Steigt man die Treppen zur Gruft hinab, überläuft einen ein eigentümlicher Schauer. Überall, wo man auch hinschaut, vom Boden bis zur Decke stapeln sich Särge. Jeder Sarg ist 1 Meter lang, 30 cm breit und 30 cm hoch. Die Särge sind aus weichem Holz und mit einer Nummer versehen. Darin liegen die Gebeine von 7100 Serben, vom elfjährigen Jungen bis zum 90-jährigen Greis. Weiterhin sind die Gebeine von 189 Russen im Mauersockel eingemauert. Es wurden auch die sterblichen Überreste von italienischen Gefallenen beigesetzt.
Vandalen waren es, die die Bronzetafeln und Torbeschläge sowie das Kupferdach geraubt und wahrscheinlich zu Geld gemacht haben. Mit Unterstützung Serbiens, der tschechischen Regierung und örtlicher Kräfte aus Jindrichovice wurde die Gedenkstätte renoviert und am 12. Oktober 1996 wieder seiner Bestimmung übergeben.
Es ist eine Empfehlung, das Mausoleum zu besichtigen. Von dort hat man auch einen weiten Blick über das böhmische Erzgebirge. Und, es ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Touren ins Böhmische und auch nach Deutschland. Übrigens, für das leibliche Wohl ist im Ort bestens gesorgt.
Bei größerem Interesse sollte man sich bei der Familie Joseph Pavelka in Jindrichovice 115 melden. Jeder im Ort kennt sie. Gegen ein kleine Entgelt ist man gern zu Führungen bereit. Das Mausoleum ist im Ort ausgeschildert und mit dem PKW zu erreichen.

Von Günter Schüller

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