11.05.2013
Königliche Wandgestaltung im Schlösserland
(MT) MORITZBURG/WEESENSTEIN/ROCHLITZ: Ein Besuch in Sachsens Schlössern ist ein Streifzug durch die Wohnkultur der Jahrhunderte. Gleich in drei Schlössern und Burgen können Besucher im Frühjahr frisch restaurierte und einzigartige Wandgestaltungen bestaunen.
Im Fasanenschlösschen Moritzburg aus der Zeit des Spätrokoko konnten historische Wandverkleidungen aus dem 18. Jahrhundert restauriert und wieder hergestellt werden und verzaubern pünktlich zur Saisoneröffnung ab Mai wieder Besucher aus aller Welt. Die Verkleidungen bestehen aus exotischem Material: Einige sind aus Federn, Stroh und Perlen gefertigt, andere sind Seidenstickereien nach chinoisem Vorbild. Das mittlerweile berühmte Federzimmer im Schloss Moritzburg stand für die Federtapeten des Fasanenschlösschens Pate, beide sind weltweit einzigartig.
Zum Saisonbeginn im Fasanenschlösschen werden drei weitere restaurierte Innenräume der Öffentlichkeit übergeben: Neben dem Feder- und dem Strohtapetenzimmer wird auch das so genannte chinesische Eckkabinett mit einer rekonstruierten chinoisen Stickerei wiedereröffnet. Im 18. Jahrhundert wurden nach Kupferstichvorlagen vielfältige Wandbespannungen mit chinesischen Mustern dekoriert, die man nach der europäischen Mode spielerisch umgestaltete. Die Stickereien des Fasanenschlösschens gelten als Kriegsverlust und wurden nun nach einer Fotovorlage neu angefertigt. Im benachbarten Besucherzentrum schlägt die Sonderausstellung den Bogen zu der traditionellen chinesischen Stickerei, die einst inspirierend auf die Gestalter des Fasanenschlösschens wirkte.
Auch im Schloss Weesenstein lohnt sich ein Blick an die Wand. Allen historischen Widrigkeiten zum Trotz blieb die originale Ausstattung hier über die Jahrhunderte fast vollständig erhalten. Im Rahmen des EU-Projektes "IN SITU! Adlige Wohnkultur in Sachsen und Böhmen" entstand die Ausstattung des Ledertapetensaales nach historischem Vorbild neu und wird nun der Öffentlichkeit präsentiert. Dafür wurden Inventare sowie Fotografien recherchiert, die originalen Möbelstücke, Uhren und Ziergegenstände im Depot ausfindig gemacht und aufwendig restauriert. Der Saal mit den Goldledertapeten besaß im Laufe der Geschichte viele Gesichter: Gesellschaftssaal der Familie von Bünau, Speisesaal der Wettiner, Museumsraum des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Konzertsaal zu DDR-Zeiten. Nun widerspiegelt er die herrschaftliche Wohnkultur der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Nicht Tapeten sondern unzählige spätmittelalterlichen Putzritzzeichnungen entdeckte man bei Restaurierungsarbeiten im Schloss Rochlitz. Sie zieren die Wände der Amtsstube. Die kleinen Motive dokumentieren den Prinzenalltag vor 500 Jahren und zeigen unter anderem Reiter, Bogenschützen, kleine Städte, Textzeilen und auch Karikaturen, wie etwa einen nackten König. Die mittelalterlichen Comics entstanden in der zweiten Hälfte des 15.
Jahrhunderts. Zu dieser Zeit diente die ehemalige Amtsstube als herrschaftlicher Wohn- und Gesellschaftsraum der Wettiner. Hier weilte der sächsische Prinzenhof.
Die Putzritzzeichnungen von Schloss Rochlitz sind als Teil der gerade eröffneten neuen Ausstellung "FETT, EINÄUGIG, REVOLUTIONÄR – drei Wettiner für tausend Geschichten", die im Schloss nun dauerhaft über die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner berichtet, angemessen und informativ in Szene gesetzt.

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