12.04.2013
Tschechien bleibt trotz Stagnation attraktiv
(DTPA/MTL) PRAG: Stagnationserwartungen für die tschechische Gesamtwirtschaft, vorsichtiger Optimismus bei der eigenen Geschäftsentwicklung und erneut Platz 1 für Tschechien im ostmitteleuropäischen Standortranking – dieses Bild ergab die aktuelle Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK), an der überwiegend deutsche Unternehmen in Tschechien teilnahmen. 84 Prozent der befragten Firmen würden wieder in Tschechien investieren. Für künftige Investitionen und Arbeitsplätze stehen die Vorzeichen ebenfalls relativ gut. Verbesserungspotenzial gibt es aus Sicht der befragten Firmen in Politik und öffentlicher Verwaltung.
An der Umfrage beteiligten sich rund 180 vor allem deutsche und weitere im deutsch-tschechischen Wirtschaftsaustausch aktive Unternehmen. Alle Branchen und Unternehmensgrößen waren etwa gleichmäßig vertreten. Die aktuelle Wirtschaftslage bewerteten rund zwei Drittel als zufriedenstellend und neun Prozent als gut. Immerhin ein Drittel schätzt sie mittlerweile als schlecht ein. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Verschlechterung um 10 Prozentpunkte.
Gleichzeitig ist die Perspektive auf das laufende Jahr weniger optimistisch: Mehr als ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einem weiteren Konjunkturrückgang in Tschechien. Immerhin über die Hälfte erwartet stabile Bedingungen und 14 Prozent sogar eine Verbesserung. Beim Warenexport rechnen dagegen 40 Prozent der Befragten weiter mit einer positiven Entwicklung. "Dies ist eine gute Nachricht, denn der Export macht bei vielen Unternehmen einen großen Anteil des Umsatzes aus. Dies zeigt ja auch die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung, deren Exportanteil bei über 80 Prozent liegt", erklärt DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer.
Was die eigene Geschäftsentwicklung angeht, so rechnet knapp ein Drittel der Befragten mit einer Verbesserung und nur 16 Prozent mit einer Verschlechterung. Die Mehrheit erwartet stabile Verhältnisse. "Erfreulicherweise sehen die von uns befragten Firmen ihre eigene Geschäftsentwicklung deutlich positiver als die allgemeine Wirtschaftslage", so Bauer. "Dies stimmt mich optimistisch, denn aus den Umfragen der letzten Jahre wissen wir, dass die Prognosen unserer Mitgliederfirmen meistens sehr realistisch waren", ergänzt er. Die Investitions- und Beschäftigungsprognosen sind angesichts der Lage ebenfalls erfreulich: Die Aussichten sind mehrheitlich stabil, wobei knapp ein Viertel der Firmen steigende Investitionen plant und rund ein Fünftel neue Beschäftige einstellen will.
Wie im Vorjahr sind die meisten Firmen mit ihrer Standortwahl Tschechien zufrieden. 84 Prozent würden hier wieder investieren. Erneut halten die in Tschechien ansässigen Investoren diesen Standort für den attraktivsten in Ostmitteleuropa. Fast gleichauf liegt mittlerweile das Nachbarland Slowakei. Die Standortattraktivität Chinas, die zu Vergleichszwecken ebenfalls abgefragt wurde, fiel hingegen gegenüber 2012 etwas zurück. Eine schnelle Abwanderung deutscher Unternehmen aus Tschechien nach Südostasien ist also kurzfristig kaum zu erwarten.
Tschechiens größter Standortvorteil ist weiterhin die EU-Mitgliedschaft. Gute Noten erhielten auch die lokalen Zulieferer sowie die produktiven und gut qualifizierten tschechischen Arbeitskräfte zu konkurrenzfähigen Arbeitskosten. Bisher waren oft die Mitarbeiter einer der wichtigsten Gründe, warum deutsche Unternehmen gerade hier investieren. Die Zukunft sieht aber hier nicht mehr so rosig aus: Während die akademische Ausbildung in Tschechien laut Umfrage überwiegend positiv abschnitt, landeten Berufsausbildung und Fachkräfteverfügbarkeit nur noch im unteren Mittelfeld. Das Schlusslicht bilden wie schon in den Vorjahren Korruption, Wirtschaftskriminalität und Vergabepraxis bei öffentlichen Aufträgen. Ebenfalls schlechte Bewertungen erhielten Rechtssicherheit und öffentliche Verwaltung. Auch die politische Stabilität schnitt noch schlechter ab als 2012.
"Der drohende Fachkräftemangel, Unsicherheiten im Rechtssystem sowie mangelndes Vertrauen in die Staatsverwaltung schwächen die Konkurrenzfähigkeit der tschechischen Wirtschaft. Deshalb macht die DTIHK die politischen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit auf die Bedeutung dieser Themen für die Zukunft Tschechiens aufmerksam", kommentiert Bernard Bauer die Umfrageergebnisse

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