20.04.2002
Euregio will Informationskampagne starten
(DTPA/MT) ERLBACH: Die Euregio Egrensis will mit einer Informationsoffensive in Deutschland und Tschechien das Zusammenwachsen Europas fördern. Der Gesamtvorsitzende der Euregio, Tirschenreuths Landrat Karl Haberkorn, kündigte am Freitagabend zu einem Seminar des Europäischen Zentrums für Arbeitnehmerfragen im vogtländischen Erlbach die Aktion "Hallo Nachbar" an. In Fernsehen, Hörfunk und Medien sollen Neuigkeiten von deutscher und tschechischer Seite in bezahlten Beiträgen veröffentlicht werden. "Was uns noch fehlt, ist der Informationsaustausch", bemängelte Haberkorn.
Nach Ansicht von Tschechiens Generalkonsul Milan Dufek hat die Diskussion um die Benes-Dekrete keinen guten Einfluss auf die Bereitschaft der Tschechen, der EU beizutreten. Eine gute Atmosphäre sei aber nötig, da nach den EU-Beitrittsverhandlungen eine Volksabstimmung stattfinden werde. "Jede Nation sollte ihre eigene Geschichte aufarbeiten - aber ohne Druck von außen", sagte Dufek. Die Vertreibung sei in Tschechien kein Tabu mehr. In den Schulbüchern der Gymnasium werde dem Thema allein acht Seiten gewidmet. Für einige Exzesse habe sich sein Land bereits 1997 entschuldigt, so der Generalkonsul.
Der ehemalige Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Werner Schreiber, warnte vor der Wanderung von Arbeitskräften nach der EU-Osterweiterung. "Der höhere Lebensstandard im Westen hat eine gewisse Anziehungskraft", erklärte er. Bernhard Sonntag, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Ostsachsen, befürchtet, dass vor allem das Baugewerbe nach dem EU-Beitritt von Polen und Tschechien "unter erheblichen Wettbewerbsdruck" gerate. Demgegenüber versuchte die CDU-Europaabgeordnete Brigitte Wenzel-Perillo die Wogen zu glätten: Es werde zu keiner großen Wanderung von Ost nach West kommen. Schon heute gebe es fast keine Beschränkungen für Arbeitnehmer.
An dem Seminar im "Haus Schwarzbachtal" nehmen am Wochenende knapp 60 Christsoziale aus 15 europäischen Staaten teil, darunter auch der Landrat des Vogtlandes Tassilo Lenk.

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