11.04.2002
DTIHK-Umfrage zum Standort Tschechien
(DTPA/MT) PRAG: Fehlende Rechtssicherheit, mangelhafter Gläubigerschutz und Korruption belasten das Vertrauen in den tschechischen Standort. Dies geht aus einer Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) unter deutschen Unternehmen in Tschechien hervor. Dass Tschechien trotzdem ausländische Investitionen in Milliardenhöhe anziehen kann, ist den tschechischen Arbeitnehmern zu verdanken: Qualifizierte Arbeitskräfte und moderate Gehälter wurden in der Umfrage als Hauptgründe für das Engagement in Tschechien genannt.
Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) erhielt die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter die Bestnote 2,8. Ähnlich positiv urteilten die 230 Umfrageteilnehmer über die Qualifikation der Arbeitskräfte und das Lohnniveau. Dagegen wurden Steuersystem, öffentliche Verwaltung und Wirtschaftspolitik lediglich mit ausreichend bewertet. Besonders schlecht kam das Rechtswesen weg: Gläubigerschutz, Rechtssicherheit und der Schutz vor Korruption sind ausreichend bis mangelhaft, so das Ergebnis der Umfrage. Auch die Förderpolitik der Regierung stieß auf Kritik, Fördermittel waren nur für eine kleine Minderheit der Unternehmen ein Grund, um in Tschechien zu investieren. Andreas Schäfer, Chefvolkswirt der DTIHK: "Wichtiger als Steuererleichterungen für Großprojekte sind verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen. Davon profitieren alle Unternehmen, große und kleine, tschechische und ausländische."
Die aktuelle Geschäftslage der tschechischen Tochtergesellschaft beurteilte rund die Hälfte der Befragten mit "gut", ein weiteres Drittel mit "befriedigend". Allerdings sind sechs Prozent der Firmen mit ihrer Geschäftslage unzufrieden, im Vorjahr galt dies lediglich für ein Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Unternehmen nur noch verhalten optimistisch. Zwar erwartet gut ein Drittel der Unternehmen eine Verbesserung der Geschäftslage, gleichzeitig gibt es jedoch eine große Schar von Pessimisten - mit rund 20 Prozent deutlich mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, da die tschechische Binnennachfrage weiterhin ungebrochen ist. Andreas Schäfer erklärt dies so: "Die deutschen Investoren sind überdurchschnittlich exportorientiert und leisten einen großen Beitrag zu den tschechischen Ausfuhren. Da machen sich die starke Krone und die Konjunkturschwäche in vielen wichtigen Märkten natürlich bemerkbar". Dies spiegelt sich auch in den Erwartungen für Investitionen, Personal und Umsätze wider. So will ein Viertel der Unternehmer die Investitionen im laufenden Jahr zurückfahren, 30 Prozent werden ihre Investitionen erhöhen. Im Personalbereich sieht es ähnlich aus: Nur 31 Prozent planen Neueinstellungen, 2001 waren es noch knapp 60 Prozent.
Fast 70 Prozent der Unternehmen halten eine Mitgliedschaft Tschechiens in der Europäischen Union für vorteilhaft, ein weiteres Viertel steht diesem Vorhaben zumindest neutral gegenüber. Die Unternehmen erhoffen sich Handelserleichterungen, eine größere Rechtssicherheit und weniger Hürden bei der Entsendung von Mitarbeitern. Nur eine Minderheit lehnt den EU-Beitritt aus Sorge vor übermäßigen Lohn- und Kostensteigerungen ab. Und so überwiegen bei der Frage nach Tschechiens Zukunft als Investitionsstandort auch die optimistischen Stimmen. Insgesamt erwarten 42 Prozent der befragten Unternehmen, dass Tschechien in den nächsten Jahren attraktiver wird, weitere 38 Prozent sehen keine Veränderung der Wettbewerbsfähigkeit. Doch damit es dazu kommen kann, muß Tschechien noch einige Reformprojekte angehen. Schließlich steht das Land im harten Standortwettbewerb mit anderen MOE-Staaten, die demnächst ebenfalls der EU beitreten und dadurch die gleichen Vorteile erlangen werden.

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