20.12.2012
800.000 Euro für deutsch-tschechische Projekte
(DTPA/MT) PRAG: Mit 826.450 Euro unterstützt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds im kommenden Quartal die Zusammenarbeit zwischen den Menschen beider Nachbarländer. Das hat der Verwaltungsrat auf seiner vierteljährlichen Sitzung beschlossen, die auf Einladung des tschechischen Bildungsministers Prof. Petr Fiala am Montag und Dienstag im tschechischen Bildungsministerium stattfand. 118 Partnerschaftsprojekte haben Grünes Licht für ihre Finanzierung bekommen und können in den kommenden Monaten verwirklicht werden, erklärten die Verwaltungsratsvorsitzenden Albrecht Schläger und Kristina Larischová.
Bildungsminister Petr Fiala würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Standen die ersten zehn Jahre vor allem im Zeichen der Entschädigung tschechischer NS-Opfer, so "ist heute der Zukunftsfonds nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht, die Zusammenarbeit und den Austausch junger Deutscher und Tschechen zu ermöglichen – ganz gleich, ob in Schule, Freizeit oder Sport", erklärte der Minister. Ebenso Dank der finanziellen Hilfe des Zukunftsfonds haben allein in diesem Jahr fast 2000 deutsche und tschechische Fachleute aus den verschiedensten Bereichen den fruchtbaren Austausch über die Landesgrenze hinweg gesucht. Der Zukunftsfonds sei damit ein "wichtiger Partner auch für das Bildungsministerium", so Minister Fiala.
Zwischen 35 und 40 Prozent aller durch den Zukunftsfonds geförderten Projekte kommen regelmäßig aus dem Bereich "Jugend und Schule". "Darin zeigt sich, welche Priorität der Zukunftsfonds dem Jugendaustausch beimisst. Daran sollte sich auch künftig nichts ändern und daher wollen wir in unserer Fördertätigkeit weiterhin auf die enge Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium setzen", erklärte der tschechische Geschäftsführer des Zukunftsfonds, Tomáš Jelínek.
Im laufenden Jahr konnten im Bereich "Jugend und Schule" an die 240 grenzüberschreitende Projekte umgesetzt werden, die der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds mit über einer Million Euro unterstützt hat. Nach intensiver Sprachförderung, hat der Zukunftsfonds darüber hinaus für das Jahr 2012/2013 ein neues "Thema des Jahres" ausgerufen: "Erziehung zur Demokratie und Prävention von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus". Schon jetzt zeichne sich ab, dass "viele der Projekte zum ´Thema des Jahres´ aus dem Bereich ´Jugend und Schule´ stammen – das freut uns", erklärte der deutsche Geschäftsführer des Zukunftsfonds, Joachim Bruss.
Hier eine Auswahl von aktuell bewilligten Projekten aus verschiedenen Förderbereichen:
Wissenschaft und Technik kennen keine Grenzen. Daher lädt das Internationale Universitätszentrum der TU Chemnitz im Juni 2013 zehn tschechische Schüler und zwei Pädagogen vom Gymnasium Uherské Hradiště ein. Sechs Tage lang werden die Schüler Universität und Stadt kennen lernen und wichtige Kontakte zu deutschen Studierenden und Professoren knüpfen. Im Mittelpunkt stehen ingenieurtechnische, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Themen. In einem Workshop werden Chancen und Risiken der Technisierung vieler Lebensbereiche beleuchtet. Der Zukunftsfonds steuert 2.400 Euro zu dieser Begegnung bei.
"Unisono" singen und tanzen sich eine tschechische und eine deutsche Gruppe von Musikschülern gemeinsam in die Karibik. Die künstlerische Grundschule aus Chomutov und die Stäědtische Musikschule Chemnitz studieren gemeinsam die Orchestermusik der deutschen Komponisten Klaus Badelt und Hans Zimmer zum Film "Fluch der Karibik" ein. Zugleich entwickeln sie dazu ein Ballett-Arrangement. Die 35 tschechischen und 35 deutschen Schüler erarbeiten Musik und Tanz an mehreren Wochenentreffen im Frühjahr 2013; Aufführungen wird es in Chomutov und Chemnitz geben.
Acht deutschböhmische Künstlergruppen der 1920er und 1930er Jahre, an die 200 Gemälde und Skulpturen und eine junge tschechische Kunsthistoriker - das ist das Forschungs- und Ausstellungsprojekt "Junge Löwen im Käfig". Anna Habánová, Absolventin der Technischen Universität Dresden, erarbeitet die Ausstellung über vielfach kaum bekannte deutsche Künstler in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit vor. Zu sehen ist die Ausstellung von September bis Dezember 2013 in der Bezirksgalerie Liberec, bevor sie anschließend nach Deutschland wandert. Unter anderem für Schulen wird ein pädagogisch-didaktisches Begleitprogramm gestaltet. Der Zukunftsfonds unterstützt dieses umfangreiche Projekt mit rund 8.400 Euro.
Für die Renovierung von Baudenkmälern stellt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds aktuell 370.000 Euro bereit und unterstützt damit 30 Projekte dieser Art. Eines von ihnen ist die Instandsetzung der neuromanischen Kirche Zum Heiligen Nikolaus in Mikulovice / Nikolsdorf (Bezirk Olmütz). Dieses Vorhaben ging aus der Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen deutschen und den heutigen tschechischen Bewohnern hervor. Aus der dauerhaften engen Partnerschaft ist auch die Fotoausstellung in der Kirche entstanden. Sie dokumentiert die überwiegend deutsch geprägte Geschichte des Ortes und der Kirche vor dem Jahr 1945. Der Zukunftsfonds fördert die Instandsetzung der Nikolaus-Kirche mit rund 18.000 Euro.
Konfliktbewältigung, Burn-Out, Partnergewalt oder Kinderschutz – schwierige Themen, die 2013 in der Sozialakademie Haus Silberbach bei Selb / Oberfranken angegangen werden. In sechs simultan gedolmetschten deutsch-tschechischen Seminaren erarbeiten Teilnehmer und Experten aus beiden Ländern Strategien zu diesen gesellschaftlichen Problemen. Gerade im sozialen Bereich kann die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sehr unmittelbar und fruchtbar sein. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt die zweitägigen Seminare der Sozialakademie daher mit insgesamt 18.000 Euro.
Die beiden Germanisten Kurt Krolop und Jiří Stromšík gehören zu den wichtigsten literarischen Vermittlern zwischen tschechischer und deutscher Kultur. Mit neun "Essays zur deutschen Romantik" (Verlag Mervart) geben sie dem tschechischen Publikum einen Schlüssel zum Verständnis einer der bedeutendsten und produktivsten Epochen deutscher Literatur in all ihren geschichtlichen Zusammenhängen. Der Zukunftsfonds unterstützt die Herausgabe des tschechischen Bandes mit 2.000 Euro.

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