30.10.2012
Neues Leben für Moore
(MT) SATZUNG: Ein von der EU gefördertes Ziel-3-Projekt tschechischer und deutscher Partner will die gefährdeten Moore am Erzgebirgskamm zwischen Hora Sv. Šebastiána und Satzung zu neuem Leben erwecken. Die Arbeiten zur Wiedervernässung haben begonnen.
Über die Jahrtausende nach dem Ende der letzten Eiszeit haben sich im kühlfeuchten Klima des Erzgebirgskammes zahlreiche Hochmoore entwickelt. Schicht für Schicht entstanden aus Torfmoosen und anderen Pflanzen im wassergesättigten Moorkörper bis zu mehrere Meter mächtige Torfauflagen.
Auf diesen extrem nassen und nährstoffarmen Standorten konnte sich kein geschlossener Wald bilden. Statt dessen fand eine hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt hier ihren Lebensraum.
Ein intaktes Moor wirkt außerdem wie ein Schwamm, der große Mengen Niederschlagswasser aufnehmen kann und es nur langsam in die Umgebung abfließen lässt. In Hochwasserentstehungsgebieten wie dem oberen Erzgebirge ist diese Pufferfunktion besonders wichtig.
In der frühen Neuzeit begann das jahrhundertelange "Sterben" der erzgebirgischen Moore: Wasserläufe wurden im Zuge des Erzbergbaus gefasst und umgeleitet. Torf wurde als Brennstoff oder für die Herstellung von Gartenerden "gestochen", das heißt abgebaut. Die als unproduktiv geltenden Moorböden wurden durch Entwässerung für den Waldbau nutzbar gemacht.
"Heute sind die Reste der einst landschaftsprägenden Moore und ihre ganz spezielle Pflanzen- und Tierwelt im Erzgebirge akut bedroht. Ihre natürliche Funktion als Wasserspeicher können sie kaum noch erfüllen", sagt Anita Domschke, Abteilungsleiterin Land- und Forstwirtschaft im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.
Die Austrocknung und Zersetzung der letzten verbliebenen Moorkörper sollen nun an geeigneten Stellen - wie hier an der deutsch tschechischen Grenze - gestoppt und die Voraussetzungen für eine Regeneration der Moore geschaffen werden. "Ein Moor, dem das Wasser fehlt, degradiert und stirbt" erklärt Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg, die geplanten Renaturierungsarbeiten. "Entscheidend für das Torfwachstum ist, dass das ankommende Niederschlagswasser im Moorkörper gehalten wird. Deshalb müssen Entwässerungsgräben verschlossen und die abgeschnittenen hydrologischen Einzugsgebiete teilweise wieder angeschlossen werden."
Das Vorhaben steht im engen Zusammenhang mit den seit Mitte der 1990-er Jahre andauernden Moorschutzbestrebungen des Zweckverbandes Naturpark "Erzgebirge/Vogtland", der in einem Vorläuferprojekt zusammen mit drei weiteren Partnereinrichtungen die hydrologischen und planerischen Grundlagen erarbeitet hat.
Sachsenforst ist mit dem Forstbezirk Marienberg nunmehr Leadpartner und Koordinator des bis Ende 2014 laufenden Umsetzungsprojektes. "Das ist sinnvoll, denn unsere Mitarbeiter können ihre hervorragende Ortskenntnis und ihre Erfahrung mit praktischen Naturschutzmaßnahmen sowie mit dem Einsatz von leistungsfähiger und geeigneter Technik im sächsischen Staatswald einbringen", so Reinhold.
Die anderen Projektpartner, darunter die Tschechischen Staatsforsten, vertreten durch die Regionaldirektion Teplice und das Forstamt Klášterec nad Ohři, der Zweckverband Naturpark "Erzgebirge/Vogtland", die Region Ústi nad Labem, die Landesdirektion Sachsen und das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie führen Renaturierungsmaßnahmen in eigener Regie durch beziehungsweise widmen sich der Erfolgskontrolle (Monitoring) und der Öffentlichkeitsarbeit.
Das Ziel-3-Projekt hat auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Etwa eine Million Euro Fördermittel der Europäischen Union fließen in ein sinnvolles Projekt der Mitgliedsländer Tschechien und Deutschland. "Menschen beiderseits der Grenze kommen zusammen und arbeiten gemeinsam an einem lohnenden Ziel", sagt Abteilungsleiterin Domschke. Und die ortsansässige Bevölkerung soll für den Schutz der Moore begeistert werden, die zum unverwechselbaren Charakter ihrer Heimat gehören. (Bildquelle: KJ-Archiv)
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