02.02.2000
Bestandsaufnahme bei Verkehrskonferenz
(DTPA) OBERWIESENTHAL: Zu einer Verkehrskonferenz Sächsisch-Böhmische Wege waren heute mehr als 100 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Verbänden ins erzgebirgische Oberwiesenthal gekommen. Michael Lohse, Präsident der gastgebenden IHK Südwestsachsen, betonte eingangs, "dass die sächsisch-böhmischen Wege nicht nur als Straßen oder Schienenstränge zu verstehen sind, sondern als Wege, die die Kommunikationsform untereinander voranbringen".
In den Darlegungen der Redner ging es dann aber doch vor allem um die Vorstellung konkreter regionaler und bilateraler Projekte zur Verbesserung der Verkehrsstruktur. Unterschiedlicher Meinung waren die Konferenzteilnehmer über den Nutzen der künftigen A 17 von Dresden nach Prag. Michael Lohse warf die Frage auf, ob die Autobahn Dresden-Prag an den Regionen vorbeiführt, oder ob sie die grenznahen Regionen fördert. Dazu bezog Dr. Bernd Rohde, Abteilungsleiter Straßenbau beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, klar Stellung: "Mit der Autobahn allein ist das Problem nicht zu lösen - ohne Autobahn aber auch nicht." Dr. Bernd Rohde sprach in Oberwiesenthal davon, dass der deutsche und der tschechische Abschnitt bis 2005 fertiggestellt sein sollen. Dieser Termin wurde auch von der tschechischen Seite bestätigt. Seit Wochen sorgt in Prag ein Streit über den Trassenverlauf zwischen Verkehrs- und Umweltministerium für Ungewissheit.
Dr. Frank Fischer vom Regionalen Planungsverband Chemnitz/Erzgebirge machte deutlich, dass die Grenzregionen mit großen Problemen bei der Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur leben müssen. Er sieht Nachholebedarf: "Das Erzgebirge ist verkehrlich momentan gehörig benachteiligt. Oft wird verkannt, dass trotz der hohen Arbeitslosigkeit die Industriebeschäftigtendichte im Erzgebirge über dem sächsischen Durchschnitt liegt." Und das müsse, so Fischer weiter, in der Verkehrswegeplanung berücksichtigt werden. Nur die A 17 ist seiner Meinung nach nicht ausreichend.
Tschechiens Stellvertretender Minister für Verkehr und Telekommunikation, Dr.-Ing. Karel Sellner, stellte bei der Verkehrskonferenz tschechische Straßenbauprojekte besonders im grenznahen Raum vor. Große Beachtung fand der Plan, die Strecke Karlovy Vary (Karlsbad) bis zur Grenze zwei- bis vierspurig als Schnellstraße auszubauen. In Chomutov, so der Stellvertretende Minister weiter, werde eine Umgehungsstraße gebaut. Von Prag nach Chomutov entsteht eine vierspurige Schnellstraße. Auch im Ballungsgebiet Sokolov (Falkenau) sind neue Straßen geplant.
Die heutige Konferenz Sächsisch-Böhmische Wege war eine Bestandsaufnahme der Verkehrsstrukturentwicklung im Raum Nordböhmen-Südwestsachsen. Es wurde festgestellt, dass der Freistaat Sachsen und die Tschechische Republik eine Reihe von Entscheidungen getroffen haben, die es ermöglichen, die Infrastruktur in den Grenzregionen der europäischen Entwicklung anzupassen.
Der Freistaat Sachsen und die Tschechische Republik haben eine gemeinsame Grenze von 450 Kilometern. Täglich passieren 40.000 Fahrzeuge von Deutschland aus die Grenze zu Böhmen. Darunter sind 3.000 Lastkraftwagen.

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