05.04.2012
Weiter Bedenken gegen Staustufe Děčín
(DTPA/MT) DRESDEN: Der Bau der bei Děčín (Tschechische Republik) geplanten Staustufe in der Elbe würde zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt bis nach Sachsen hinein führen. Zu diesem Fazit kommt die Stellungnahme des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, über die Umweltminister Frank Kupfer am 5. April informierte. "Obwohl die Staustufe elf Flusskilometer hinter der Grenze liegt, kann sie auch bei uns zu Beeinträchtigungen insbesondere für geschützte Tierarten wie Biber oder Lachs sowie zu einer Verschlechterung der Wasserqualität führen. Dies macht unsere Stellungnahme deutlich", so der Minister.
Bedenken gegen das Projekt bestehen auch weiter insbesondere mit Blick auf Arten- und Naturschutz. So sind die in Sachsen an der Elbe lebenden Biber auf genetischen Austausch mit Artgenossen angewiesen, die unmittelbar im Bereich der Staustufe oder des dahinter entstehenden Staubereiches liegen. "Zweifelsohne würden die mit dem Bau einhergehenden Veränderungen den Lebensraum der Biber erheblich stören. Dies hätte Auswirkungen auf den Gesamtbestand bis nach Sachsen hinein", betonte der Umweltminister.
Ebenso betroffen wären Fischarten, die in dem tschechischen und dem anschließenden deutschen Abschnitt der Elbe leben. Dazu gehören Bachneunauge, Flußneunauge, Rapfen, Bitterling und vor allem der Lachs. "Fast alle der historischen Laichgewässer des Lachses in der Tschechischen Republik liegen oberhalb der geplanten Staustufe. Die Ausbreitung des Lachses wäre insbesondere deshalb gefährdet, weil die geplanten Fischschutzmaßnahmen unzureichend sind. Vorgesehen sind Einlaufrechen mit einem Stababstand von 24 Millimetern. Praktisch alle Lachse, die in den Atlantik abwandern, passen durch diesen Abstand und würden so in die Turbinen geraten", fürchtet Kupfer.
Darüber hinaus fehlt in den Unterlagen auch weiter der Nachweis, dass Bau und Betrieb der Staustufe mit den Zielen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie vereinbar ist. "Nicht auszuschließen sind eine verstärkte Algenbildung sowie die Freisetzung von Schadstoffen, die sich im Sediment befinden. Das könnte zu Erhöhungen der Werte von organischen Stoffen und Schwermetallen auch im sächsischen Abschnitt der Elbe führen. Eine solche Verschlechterung aber verbietet die Wasserrahmenrichtlinie".
Die Stellungnahme wurde vom Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft in dieser Woche an das Tschechische Umweltministerium übermittelt. "Die Entscheidung über den Bau der Staustufe liegt allerdings allein bei unseren tschechischen Nachbarn. Wir werden deshalb die Gelegenheit nutzen, die sächsischen Bedenken bei bilateralen Konsultationen weiter zu erläutern und zu beraten", so Minister Kupfer abschließend.

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