04.04.2012
Zukunftsfonds gibt Geld für neue Projekte frei
(DTPA/MT) PRAG: Im Czernin Palais, dem Sitz des tschechischen Außenministeriums, bekamen am 2. und 3. April insgesamt 213 deutsch-tschechische Projektanträge wieder Grünes Licht. Der Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) bewilligte im ersten Quartal 2012 die Freigabe von über einer Million Euro, um weiterhin eine intensive Begegnung und Zusammenarbeit zwischen den Menschen beider Länder zu ermöglichen.
"Der Trend setzt sich fort, dass immer mehr relevante Zukunftsthemen im Fokus stehen", erklärte der deutsche Geschäftsführer des DTZF, Joachim Bruss. Der Stand der europäischen Integration oder die Energiepolitik – "das sind brennende Fragen, welche auch den zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschen und Tschechen in diesem Jahr prägen werden", so Tomáš Jelínek, der tschechische DTZF-Geschäftsführer. Darüber hinaus decken die Projekte ein breites Spektrum von der Jugendarbeit über die Kultur bis hin zur Städtepartnerschaft ab.
Eine Auswahl aktuell bewilligter Projekte: Wiederentdeckt! Ein brach liegender königlicher Gutsspeicher in Großhennersdorf lockt über 20 junge Erwachsene aus Deutschland, Tschechien und Polen an. Mit Kunst und Licht-Installationen, mit Literatur, Film und Musik hauchen sie dem "vergessenen Ort" wieder Leben ein und kommen dabei "der Region auf die Spur". So lautet auch der Titel des Projekts, das 2011 u. a. vom Sächsischen Sozialministerium ausgezeichnet wurde. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds steuert wieder 3.300 Euro zu dieser besonderen Begegnung im Dreiländereck bei.
Die Großen haben ihren Kirchentag – und die Kleinen? In der Region von Marktredwitz und Aš haben sie ihre "Kunterbunte Kinderkirche". 170 tschechische Kinder aus Nordwestböhmen und 330 deutsche Kinder kommen im Oktober in Marktredwitz zusammen und singen, spielen, befassen sich mit der Schöpfungsgeschichte und werden selbst schöpferisch tätig. Ein Höhepunkt der Begegnung wird "Die große Talente-Show", nach dem Motto "Deutschland und Tschechien haben Talent". Die Aktion der ev. Jugend Marktredwitz und der Pfarrgemeinde der ev. Kirche der Böhmischen Brüder in Aš fördert der Zukunftsfonds mit 5.000 Euro.
Wie aus einer Geschichte von Gewalt und Vertreibung die Geschichte einer Partnerschaft erwächst, das zeigen die Städte Ludwigsburg und Nový Jičín. In den 60er Jahren übernahm Ludwigsburg die Partnerschaft für vertriebene Deutsche aus dem Kuhländchen. Heute, im Jahr 2012 unterzeichnen Ludwigsburg und Nový Jičín feierlich die Partnerschaft beider Städte. Von ihr soll vor allem die Jugend profitieren – angefangen beim Schulaustausch bis hin zur Zusammenarbeit der Chöre, die sich im Mai auch beim festlichen Auftakt der Partnerschaft gemeinsam präsentieren. Der Zukunftsfonds steuert 7.000 Euro bei.
Deutsch-tschechische Verständigung ist längst nicht mehr nur Verständigung über eine schwierige und vorurteilsbelastete Vergangenheit. Das zeigen 26 Rechts- und Technikexperten der Deutschen Umwelthilfe und des tschechischen Ekologický pravní servis / European Law Service. Gemeinsam wollen sie Fragen des Energie- und Umweltrechts diskutieren und die entsprechenden NGOs beider Länder besser vernetzen. Ein Themenschwerpunkt der beiden Experten-Workshops in Prag und in Berlin, zu denen der Zukunftsfonds fast 5.000 Euro beisteuert, sind die erneuerbaren Energiequellen.
Künftige Experten aus dem Bereich der Pflege kommen bereits im fünften Jahr zusammen. Schüler der Krankenpflege aus Mutlangen und Jihlava geben sich u. a. durch Praktika gegenseitig Einblick in ihre Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen, tauschen Kenntnisse aus und kommen einander auch persönlich näher. Über 6.000 Euro gewährt der Zukunftsfonds an Unterstützung.
Vom Auschwitzüberlebenden zum Unterzeichner der Charta 77, der sich heute nicht nur allgemein für Demokratie und Toleranz einsetzt, sondern auch ganz konkret für die deutsch-tschechische Verständigung: der tschechische Historiker Toman Brod. Das Erscheinen seiner Autobiografie auf Deutsch ist dem DTZF ein besonderes Anliegen.
Kultur ist - und bleibt auch im Jahr 2012 - eines der wichtigsten Felder, auf denen der Zukunftsfonds Unterstützung leistet. So ermöglicht er zum Beispiel auch die Aufführung einer tschechischen Inszenierung von Peter Handkes "Publikumsbeschimpfungen" in Düsseldorf. Es wird eine der letzten Aufführungen des außergewöhnlichen Prager Kammertheaters von Dušan Pařízek überhaupt sein.
Sicher nicht zum letzten Mal unternimmt die Choreographin Constanza Macras eine Reise in die Kultur der Roma. Mit Roma-Musikern und Tänzern aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn bringt sie die das Stück "Open for Everything" auf die Neue Bühne des Nationaltheaters.
Eine Übersicht aller bewilligten Projekte ist in Kürze unter http://www.zukunftsfonds.cz zu finden.

Copyright © 2012 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!