16.12.2010
Tschechen sollten Englisch und Deutsch können
(DTPA/MT) PRAG: Das Institut für gesellschaftliche und ökonomische Analysen [Institut pro sociální a ekonomické analýzy (ISEA)] hat in Prag die Ergebnisse der soziologischen Untersuchung "Fremdsprachenkompetenzen der tschechischen Bevölkerung: Deutsch im Vergleich zu anderen Sprachen" veröffentlicht. Die Untersuchung konzentrierte sich auf fünf Sprachen: Englisch, Deutsch, Russisch, Französisch und Spanisch. Es zeigte sich, dass die Fähigkeit und der Wille, eine Fremdsprache zu erlernen, in Tschechien nicht besonders groß sind, obwohl sich die Menschen der Bedeutung der Fremdsprachenkenntnisse bewusst sind. In einer Sprache verständigen sich 27 %, in zwei Sprachen 14 % und in drei oder mehr Sprachen verständigen sich 5 % der Befragten. In der Konkurrenz der Weltsprachen führt erwartungsgemäß Englisch, Deutsch hat jedoch in Tschechien eine sehr starke zweite Position. Außerdem besteht ein bedeutender Zusammenhang zwischen der Kenntnis von Englisch und Deutsch. Von denen, die gut Englisch sprechen, sprechen 44 % auch gut Deutsch. Und umgekehrt – von denen, die gut Deutsch sprechen, sprechen 54 % auch gut Englisch.
"Die Fähigkeit, sich in einer anderen Sprache als der Muttersprache zu verständigen, wird für die gesamte Bevölkerung – ohne dabei die Ausbildung zu berücksichtigen – zu einem Schlüsselfaktor des Lebenserfolges und Lebensstils. Vor allem die Nationen, deren Sprache nicht zu den sog. "Weltsprachen" gehört, legen in immer größerem Maße Wert auf eine Spracherziehung, deren Ziel es ist, einen möglichst großen Teil der Bevölkerung für die Kommunikation in mindestens zwei Weltsprachen zu wappnen," sagt Prof. Petr Matejů, Leiter der gesamten Untersuchung. Was die einzelnen Sprachen anbelangt, zeigte die Untersuchung, dass die Fähigkeit sich "ziemlich gut" in Englisch zu verständigen, zwar 27 % der Befragten anführt, dass jedoch nur nahezu 10 % der Befragten angeben, sich in dieser Sprache "sehr gut" verständigen bzw. "ohne Probleme in Wort und Schrift kommunizieren" zu können. An zweiter Stelle steht Deutsch: die Fähigkeit, sich "ziemlich gut" in Deutsch zu verständigen, führen 22 % der Befragten an, was im Vergleich zum bevorzugten Englisch ein überraschend großer Anteil ist. Sich in Deutsch "sehr gut" verständigen oder "ohne Probleme in Wort und Schrift kommunizieren" zu können, geben nur fast 5 % der Befragten an, was die Hälfte im Vergleich zur englischen Sprache ist.
Im Englischen existieren große Unterschiede zwischen den Altersgruppen. In der jüngsten Altersgruppe (bis 29 Jahre) wird die Fähigkeit, sich "ziemlich gut" in Englisch zu verständigen, von 53 % der Befragten angeführt (in der ältesten Altersgruppe, d. h. über 60 Jahren, von nur 7 %) und die Fähigkeit, sich "sehr gut" verständigen oder "ohne Problem in Wort und Schrift kommunizieren" zu können, von 17 % der Befragten (in der ältesten Altersgruppe von nur nahezu 2 %). Im Deutschen sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen bedeutend geringer: in der jüngsten Altersgruppe wird die Fähigkeit, sich "ziemlich gut" in Deutsch zu verständigen, von 25 % der Befragten angeführt (in der ältesten Altersgruppe von 20 %) und die Fähigkeit, sich "sehr gut" verständigen oder "ohne Problem in Wort und Schrift kommunizieren" zu können, von 4 % der Befragten in der jüngsten Altersgruppe (in der ältesten Altersgruppe von nur 3 %).
"Bedeutend ist jedoch auch die Feststellung, dass Deutsch von 55 % der Befragten als "ziemlich wichtig" für das Leben betrachtet wird. Damit reiht sich Deutsch unter die Sprachen ein, die in unserem geographischen und kulturellem Umfeld die Grundlage für eine bilinguale Erziehung bilden könnten," sagt Matejů. Das bestätigt auch die Meinung der Probanden. Diese antworteten auch auf die Frage, welche zwei Sprachen die Eltern den Kindern zum Erlernen empfehlen sollten. Die überragende Mehrheit der Befragten würde erwartungsgemäß Englisch empfehlen (93 %). Was Deutsch betrifft, würden diese Sprache als erste oder zweite Fremdsprache insgesamt 62 % der Befragten empfehlen.
Die Untersuchung konzentrierte sich auch auf Faktoren, die die gegenwärtige Kenntnis der Fremdsprachen positiv oder negativ beeinflusst haben. Als grundlegend erwies sich die Möglichkeit, die Sprache in der Schule erlernen zu können. 54 % der Probanden geben an, dass ihre gegenwärtigen Sprachfähigkeiten stark von der Möglichkeit beeinflusst wurden, ob die Sprache an der Schule unterrichtet wurde. Als zweitwichtigster Faktor wird die Notwendigkeit angegeben, die Sprache wegen des Berufs beherrschen zu müssen (23 %). Einer tieferen Analyse zufolge besteht zwischen Deutsch und Englisch aus dieser Sicht kein wesentlicher Unterschied. Es ist ersichtlich, dass die Schule und die Notwendigkeit der Sprache für den Beruf eine Schlüsselrolle spielen. Die Menschen brauchen nicht nur die Möglichkeit, die Sprache in der Schule zu lernen, wesentlich ist auch die Motivation von Seiten der Lehrer und Mitschüler," weist Matejů hin.
Die Untersuchung von ISEA erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem Goethe-Institut Prag. Der Datensatz mit 1061 Probanden ist repräsentativ für die Bevölkerung Tschechiens ab einem Alter von 15 Jahren.

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