15.03.2010
Euregio Egrensis zieht Bilanz ihrer Arbeit
(DTPA/MTL) SCHLEIZ: Die drei Arbeitsgemeinschaften der Euregio Egrensis laden jedes Jahr im Frühjahr die Pressevertreter aus Bayern, Sachsen/Thüringen und Böhmen sowie Akteure der grenzübergreifenden Zusammenarbeit und interessierte Öffentlichkeit zu ihrer gemeinsamen Pressekonferenz ein. Diesmal fand sie auf Einladung des thüringischen Saale-Orla-Kreises am 12. März 2010 in Schleiz statt. Besonderen Höhepunkt stellte in diesem Jahr der Beitrag des Thüringer Justizministers, Herrn Dr. Holger Poppenhäger dar, der die Bedeutung von Europa als Rechtsgemeinschaft aus dem Blickwinkel der Grenzregionen herausgestellt hat.
Weitere Beiträge übernahmen der Gemeinsame Präsident der Euregio Egrensis, Herr Landrat Simon Wittmann sowie die Präsidenten der drei Arbeitsgemeinschaften der Euregio Egrensis: Herr Landrat Dr. Tassilo Lenk für den sächsisch-thüringischen Teil, Frau Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder für den bayerischen Teil und Herr Bürgermeister František Čurka für den böhmischen Teil, die über die Arbeit der Euregio Egrensis und ihre aktuellen Aktivitäten berichteten. Im Mittelpunkt standen dabei die so genannten Ziel 3-Programme, aus denen in den Grenzraum Fördermittel für grenzübergreifende Projekte und Vorhaben fließen. Im Arbeitsgebiet der Euregio Egrensis werden gegenwärtig zwei solche grenzübergreifenden Programme umgesetzt, das bayerisch-tschechische Programm mit einem Fördervolumen von rund 115,5 Millionen Euro und das sächsisch-tschechische Programm mit einem Fördervolumen von 200 Millionen Euro. Beide Programme wurden im Jahre 2008 gestartet und sind mittlerweile sehr gut angelaufen, allerdings stellt sich im Falle der Euregio Egrensis die Zweiteilung oftmals als eine zusätzliche Hürde für die Zusammenarbeit dar, da trilaterale Vorhaben nur unter großem Aufwand realisiert werden können.
Trotz der bestehenden Hindernisse versuchen die Akteure der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in der Euregio Egrensis dreiseitige Vorhaben und Projekte auf den Weg zu bringen. Beispielsweise soll im Rahmen des Projektes CLARA II die Behördenkooperation zwischen dem Karlovarsky Kraj, der Regierung von Oberfranken, der Landesdirektion Chemnitz, dem Vogtlandkreis, den Städten Bayreuth und Karlovy Vary sowie der Euregio Egrensis weiter verbessert werden. Zudem sollen die bislang mit großem Erfolg organisierten Veranstaltungen wie das Jugendsommerlager oder die Preisverleihung der Euregio Egrensis fortgeführt und die Zusammenarbeit der drei Arbeitsgemeinschaften im Gemeinsamen Präsidium noch weiter gestärkt werden. In diesem Jahr steht auch die Wahl eines neuen Gemeinsamen Präsidenten der Euregio Egrensis an, den turnusgemäß ab Herbst 2010 für zwei Jahre die sächsisch-thüringische Arbeitsgemeinschaft stellen wird.
Weitere Fortsetzung findet auch die Zusammenarbeit in den drei Schwerpunktbereichen der Euregio Egrensis, zu denen der Tourismus und das Kurwesen, die Sprachförderung sowie der Verkehr und Infrastruktur gehören. Dabei konzentrieren sich die Arbeiten im Tourismusbereich gegenwärtig auf die Ausarbeitung und Veröffentlichung neuer Informationsmaterialien über die Euregio Egrensis. Zum einen wird eine Broschüre mit den Superlativen aus dem gesamten Gebiet der Euroregion erarbeitet. Zum anderen planen die drei Arbeitsgemeinschaften die Neuauflage der Euregio Mobil Karte, die wegen ihrer sehr guten Übersichtlichkeit und der zahlreichen nützlichen Hinweise bei Touristen, Gästen und Einheimischen auf große Nachfrage gestoßen ist.
Die unter der Federführung der bayerischen Arbeitsgemeinschaft in der Euregio Egrensis umgesetzte Sprachoffensive stößt nach wie vor bei den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen auf starkes Interesse. Insbesondere erfreut sich die Sprachanimation einer großen Beliebtheit, mit der auf spielerische Art und Weise erste Kenntnisse in Tschechisch bzw. Deutsch vermittelt werden und auf diesem Wege das Interesse für die Sprache und Kultur des Nachbarlandes geweckt wird. Wünschenswert wäre noch eine stärkere Unterstützung vonseiten der Politik und Verwaltung in dieser Sache, zumal aus vielen Seiten bereits zu hören ist, dass mit der Öffnung der Arbeitsmärkte ab 2011 die Kenntnisse der Nachbarsprache noch weiter an Bedeutung gewinnen werden.
Im Bereich Verkehr und Infrastruktur werden gegenwärtig zahlreiche Einzelprojekte umgesetzt, die durch den Beitritt der Tschechischen Republik zum Schengener Abkommen Ende 2007 einen zusätzlichen Impuls erhalten haben. So werden im bayerisch-tschechischen und im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet einige neue Fahrradwege ausgeschildert und gebaut und in einzelnen Fällen auch größere Infrastrukturmaßnahmen realisiert wie beispielsweise die Straßenverbindung zwischen dem sächsischen Ebmath und dem tschechischen Hranice.
Nicht zu vernachlässigen ist zudem die gemeinsame Lobbyarbeit der drei Arbeitsgemeinschaften, die insbesondere auf die Erhaltung der EU-Förderung für Grenzgebiete gerichtet ist. Hierbei nützt die Euregio Egrensis vor allem ihre Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen, um eigene Positionen an die europäische Ebene heranzutragen. Zudem hat die Euregio Egrensis mit einer gemeinsamen Resolution vergangenes Jahr sowie einem Besuch beim Generaldirektor bei der Generaldirektion für Regionalpolitik bei der Europäischen Kommission, Herrn Dirk Ahner, auch eigene Akzente gesetzt und auf die besonderen Herausforderungen und Hindernisse der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in dem Länderviereck Bayern, Sachsen / Thüringen und Böhmen hingewiesen. Die Grenzlage wirkt sich nach wie vor in vielen Bereichen nachteilig auf die Entwicklung der betroffenen Regionen aus. Deshalb ist es für die Euregio Egrensis umso wichtiger, dass die Förderinstrumente der Europäischen Union für grenzübergreifende Zusammenarbeit zumindest im bisherigen Umfang beibehalten bzw. mit noch höheren Mitteln ausgestattet werden.

Bild (Quelle: Euregio Egrensis): Präsidenten der Euregio Egrensis ziehen Bilanz ihrer Arbeit (von links: Tomaš Vorel, Dolmetscher; Dr. Birgit Seelbinder, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayern und Oberbürgermeisterin der Stadt Marktredwitz; Simon Wittmann, Gemeinsamer Präsident der Euregio Egrensis und Landrat des Landkreises Neustadt a.d. Waldnaab; František Čurka, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Böhmen und Bürgermeister der Gemeinde Halže; Dr. Tassilo Lenk, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Sachsen / Thüringen und Landrat des Vogtlandkreises).
Bild zur Nachricht

Copyright © 2010 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!