03.09.2001
Plauen diskutierte über EU-Ost-Erweiterung
(DTPA/MT) PLAUEN: Trotz des schlechten Wetters kamen mehr als 7000 Bürgerinnen und Bürger aus Plauen und Umgebung am Samstag, 1. September, auf den Plauener Altmarkt, um sich über die Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung zu informieren. "Nachbarn treffen - Europa gestalten" - so lautete das Motto der Veranstaltung, die im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung durchgeführt und von Staatsminister Rolf Schwanitz, Beauftragter der Bundesregierung für Angelegenheiten der Neuen Länder, eröffnet wurde.
Ziel der Aktion "Nachbarn treffen - Europa gestalten" war es, gemeinsam zu erörtern, was sich durch die EU-Osterweiterung konkret ändern wird und wie besonders die Grenzregionen in Zukunft das Zusammenleben mit den Nachbarn noch besser gestalten können.
Sicherheit ist besonders in Grenzregionen ein zentrales Thema. In einer Gesprächsrunde mit Vertretern des Bundesgrenzschutzes sowie der deutschen und tschechischen Polizeibehörden und dem Zoll wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit aller Institutionen bereits heute sehr gut funktioniert. Die Zusammenarbeit der Polizeibehörden soll - nach dem Vorbild der deutsch-polnischen Kontaktdienststellen - in Zukunft aber noch weiter ausgebaut werden.
Ein weiteres Diskussionsthema im Rahmen der Veranstaltung "Nachbarn treffen - Europa gestalten" war die zukünftige Gestaltung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands und der Tschechischen Republik. Staatsminister Rolf Schwanitz, Beauftragter der Bundesregierung für Angelegenheiten der Neuen Länder, wies deutlich auf die Chancen der EU-Osterweiterung hin: "Auch für uns bieten sich Arbeitsmöglichkeiten in Osteuropa. Wir können unsere Erfahrungen in Länder wie Polen und Tschechien exportieren, zum Beispiel bei der Sanierung von Plattenbauten. Unser Know-how ist dort gefragt und die Chancen sollten wir nutzen."
Ein ganz wesentlicher Gewinn der EU-Osterweiterung sei, so Dr. Wofgang Vehse, Staatssekretär im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, in seiner Eröffnungsrede, dass Sachsen endlich aus der geographischen und wirtschaftlichen Randlage wieder zurück ins europäische Zentrum gerückt werde, womit sich auch wesentliche wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten würden. Anstatt nur nach Risiken zu suchen, sollten Unternehmer lieber darüber nachdenken, wie sie die Möglichkeiten in Tschechien und Polen nutzen können, um gleichzeitig ihre unternehmerischen Tätigkeiten in Sachsen zu stabilisieren.
Natürlich spielte auch das Thema Tagespendler in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle. Übertriebene Angst vor der Konkurrenz aus dem Osten sei hier jedoch fehl am Platz. Tagespendler aus Osteuropa würden in Zukunft eine wichtige Rolle speziell in den Grenzregionen spielen, erklärte Hans-Joachim Wunderlich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südwestsachsen. Denn mit deren Hilfe könnten sächsische Unternehmer endlich die Fachkräfte finden, die sie in Sachsen vergeblich suchen, weil diese wiederum in die großen deutschen Ballungszentren abwandern. Die Beschäftigung der Tagespendler funktioniere aber nur, so Wunderlich, wenn deutsche und tschechische Fachkräfte die gleiche Entlohnung erhielten.
Die Veranstaltungstour "Nachbarn treffen - Europa gestalten" steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder und führt insgesamt durch acht Städte entlang der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenze. Plauen war am 1. September die sechste Tourstation. Die nächsten Veranstaltungsorte sind Passau (Bayern) am 22.09.01 und Guben (Brandenburg) am 29.09.01.

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