14.11.2008
Přemysl-Pitter-Medaille
(DTPA/MTL) JIHLAVA (IGLAU): Die feierliche Verleihung der "Přemysl - Pitter - Medaille" fand am 10. November 2008 im gotischen Sitzungssaal des Iglauer Rathauses statt. Diese Auszeichnung wurde vom Nadační Fond Přemysla Pittra a Olgy Fierzové (Přemysl Pitter und Olga Fierz -Stiftungsfonds) mit Sitz in Prag verliehen. Die Erteilung dieser angesehenen Auszeichnung an die Fremdsprachige Bibliothek der Polytechnischen Hochschule und den Iglauer Regionalkulturverband (Verband der deutschen Minderheit in Jihlava) hat der international besetzte Verwaltungsrat des Stiftungsfonds an seiner Sitzung im Juli d.J. beschlossen, und zwar für die langjährige Förderung und Weiterentwicklung der tschechisch - deutsch -österreichischen Beziehungen.
Die Preisverleihung fand unter der Teilnahme und Schirmherrschaft des 1. stellv. Senatspräsidenten des Tschechischen Parlaments Dr. Petr Pithart statt. Außer der Hauptgeschäftsführerin des Stiftungsfonds, Dr. Markéta Pánková, nahmen an der Preisverleihung in Jihlava als Ehrengäste der tschechische Schulminister Ondřej Liška, der deutsche Botschafter Helmut Elfenkämper, Kulturrat der österreichischen Botschaft Prag Walter Persché und der Iglauer Oberbürgermeister Jaroslav Vymazal teil. Die Ladatio an die beiden Preisträger hielt der 1. stellv. Senatspräsident, Dr. Petr Pithart.
Přemysl Pitter (geb. 1895 v Prag, gest. 1976 in Zürich) war ein weltweit anerkannter Humanist, christlicher Denker, Pädagoge und bedeutender Vertreter des tschechischen Exils. 1933 gründete er das Kinderheim Milíčův dům (Militsch-Haus) in Prag-Žižkov. 1938 wurden im Militsch-Haus in seinem Erholungsheim Mýto bei Rokycany Kinder aus verfolgten jüdischen Familien, aber auch tschechische und einige deutsche Kinder aufgenommen, die mit ihren antifaschistischen Eltern aus dem besetzten Sudetenland geflüchtet waren. Während der Zeit des Protektorats (ab 15. März 1939 - 1945) nahm er jüdische Kinder in Prag - Žižkov in seine Obhut, bevor sie mit ihren Eltern deportiert wurden. Unmittelbar nachdem ist Přemysl Pitter durch die Rettungsaktion "Schlösser" (genannt nach den tschechischen Schlössern in Štiřín, Olešovice, Kamenice und Lojovice) bekannt geworden. Durch diese Aktion ist es Přemysl Pitter und seinen Mitarbeitern gelungen, nicht nur mehr als 200 jüdische Kinder zu retten, die aus Konzentrationslagern zurückkehrten und keine Familien mehr hatten, sondern auch die Rettung von rund 600 deutschen Kindern aus den tschechischen Internierungslagern, die durch die Wirren der gerade durchgeführten Vertreibung ihre Eltern verloren hatten. Als er 1951 Kenntnis von seiner bevorstehenden Verhaftung durch den kommunistischen Staatssicherheitsdienst erhielt, flüchtete er nach West-Deutschland. In Deutschland hat er mit den Radiosendern BBC, Radio Freies Europa und Radio Rom zusammengearbeitet und so geholfen, unabhängige Nachrichten in die damals kommunistische Tschechoslowakei zu verbreiten. Später entschied er sich für die geistliche Arbeit als Pfarrer im Lager "Valka" in Nürnberg-Langwasser. In diesem Auffanglager für Ausländer betreute er tschechische Emigranten. 1966 wurde Pitter von der israelischen Regierung mit der Medaille für seine Rettungsaktion ausgezeichnet und er pflanzte in Jerusalem an der "Allee der Gerechten" einen Baum. 1973 erhielt er vom deutschen Bundespräsidenten Heinemann das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.
In der tschechischen Öffentlichkeit wurde sein Werk und Schicksal erst nach der politischen Wende 1989 mehr bekannt. 1991 wurde er in Prag posthum mit dem Masaryk-Orden III. Klasse ausgezeichnet. Die UNESCO erklärte ihn zur "Persönlichkeit von Weltformat", 1995 wurde das 100 Geburtsjahr von Přemysl Pitter von der UNESCO als kulturelles Ereignis des Jahres erklärt. Näher wurde die Persönlichkeit Přemysl Pitters im öffentlichen Vortrag präsentiert, der am 10. November 2008 an der Polytechnischen Hochschule Jihlava stattfand.
Mit dem geistigen Nachlass von Přemysl Pitter befasst sich das Pädagogische Comenius- Museum in Prag . Das Museum ist dem tschechischen Schulministerium unterstellt und ist zugleich Sitz des Stiftungsfonds.

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