27.07.2000
Bau am AKW Temelin geht trotz Streit weiter
(DTPA) TEMELIN/PRAG: Seit Wochen tobt in Tschechien ein Streit über einen Atomkraftwerkneubau. Ist es notwendig im südböhmischen Temelin ein AKW zu errichten? Für Greenpeace-Sprecher Vaclav Vasku ist das AKW zur Zeit völlig überflüssig. Greenpeace-Aktivisten haben schon mehrfach in Temelin protestiert. Auch der deutsche Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte Anfang des Monats das Vorziehen der Beladung des AKW Temelin scharf kritisiert. Am 4. Juli wurde von tschechischer Seite überraschend mitgeteilt, dass der Abschluss des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens zur Erstbeladung des AKW Temelin erfolgt sei. "Die jetzt vorgesehene kurzfristige Genehmigungserteilung ist gegen die deutschen Sicherheitsinteressen gerichtet, weil entgegen allen bisherigen Gesprächen keine Chance mehr besteht, sich vor der Erteilung der Genehmigung in entscheidenden Punkten durch eine unabhängige Analyse vom tatsächlichen Sicherheitszustand des AKW Temelin zu überzeugen. Die heute verkündete Entscheidung trägt somit nicht zu einer Beruhigung, sondern zu einer Verunsicherung der Bevölkerung bei," sagte Trittin damals.
Gestern ist nun ein weiterer Schritt in Richtung Inbetriebnahme getätigt. Der erste Reaktorblock des südböhmischen Brüters wurde versiegelt. Am 14. Juli wurden dort die letzten der insgesamt 163 Brennstäbe eingefügt. Im frisch versiegelten Reaktor wird das tschechische Amt für Strahlenschutz in den nächsten zwei Monaten noch eine Reihe von Tests durchführen, bevor der Betreiber CEZ, um Erlaubnis zur Aktivierung des Reaktors ersuchen kann.
Während in Temelin am Brüter gearbeitet wurde, lehnte die Regierung in Prag ein Referendum ab, das sich gegen die Inbetriebnahme des Brüters aussprach. In einer Petition hatten sich über 100 000 Bürger für eine Volksabstimmung eingesetzt. Für die tschechische Regierung sei das aber schon zu spät.

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