15.08.2001
Prag will Fluss bei Niedrigwasser schiffbar machen
(DTPA/DH) DRESDEN: Der Freistaat Sachsen will den Flussraum der Elbe unter Schutz stellen lassen und damit den Bau neuer Elbestaustufen auf tschechischer Seite verhindern.
Sollten die Staustufen in Tschechien gebaut werden, würden gravierende Auswirkungen auf das Biosystem der Elbe befürchtet, sagte gestern der Sprecher des sächsischen Umweltministeriums, Dirk Reelfs der „Lausitzer Rundschau“. Anfang August hatte der tschechische Verkehrsminister Jaromir Schling erklärt, dass der Bau von Staustufen in der Höhe von Decin (Tetschen) nötig sei, um die Elbe auch bei Niedrigwasser für Güterschiffe befahrbar zu machen. Bis 2007 sollen die Staustufen in den Schutzgebieten "Elbsandstein" und "Böhmisches Mittelgebirge" entstehen. Umweltschützer aus Sachsen und der Tschechischen Republik kritisieren die geplanten Elbestaustufen. Die Absicht Prags, am Bau von Elbestaustufen festzuhalten, werde sehr ernst genommen, sagte Reelfs. Im Rahmen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung habe das sächsische Umweltministerium den Tschechen bereits Ende Mai eine ablehnende Stellungnahme übersandt, berichtet das Blatt. Beim jetzt erreichten Reinheitsgrad der Elbe habe sich die Artenvielfalt im Fluss wieder deutlich erhöht. Dies werde nun wieder gefährdet. Zudem sei zu befürchten, dass in der Bauphase belastete Schlämme angespült würden. Die Sachsen hoffen dabei auf Unterstützung aus Berlin und Brüssel. Umweltminister Steffen Flath (CDU) hat wegen der Bauabsichten der Tschechen Kontakt zu Bundesumweltminister Jürgen Trittin (B90/Grüne) aufgenommen. Zudem wird in Dresden darauf verwiesen, dass die Tschechische Republik für den Bau der Elbestaustufen beabsichtige, Fördermittel der Europäischen Union in Anspruch zu nehmen. Sachsen seinerseits war von der EU vor einigen Wochen wegen der unzureichenden Ausweisung von Schutzgebieten gemäß der 1992 beschlossenen europäischen Naturschutzrichtlinie Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiete) hart gerügt worden.

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