09.08.2001
Kriminalstatistik betrachtet Grenzraum
(DTPA/MT) DRESDEN: Im Freistaat Sachsen wurden im ersten Halbjahr 2001 insgesamt 177.682 Straftaten registriert. Das sind 11.209 Fälle (6,7 Prozent) mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Das geht aus der heute von Staatsminister Klaus Hardraht vorgestellten Kriminalstatistik hervor.
Ein eigener Betrachtungspunkt in der Statistik ist die EU-Außengrenze. Die Polizeiliche Kriminalstatistik des 1. Halbjahres 2001 weist insgesamt 18.162 Straftaten in direkter Grenznähe aus, 6.448 Fälle bzw. 55,0 Prozent mehr als in den Monaten Januar bis Juni 2000. Auf die Gemeinden entlang der sächsisch-tschechischen Grenze entfielen 7.950 Delikte (43,8 Prozent), auf die Grenzgemeinden zu Polen 10.212 (56,2 Prozent). Ein Jahr zuvor lagen die Anteile bei 51,9 Prozent bzw. 48,1 Prozent. Der Vergleich zum 1. Halbjahr 2000 ist eingeschränkt, da die Erfassung von BGS-Meldungen zwischenzeitlich neu geregelt wurde. Ohne Verstöße gegen das AuslG/AsylVfG wurden an der EU-Außengrenze insgesamt 9.631 Straftaten gezählt, 1.077 Fälle bzw. 12,6 Prozent mehr als im Halbjahr 2000. Der Zuwachs fiel in der Grenzregion zu Polen (+ 11,2 Prozent) etwas geringer aus als an der Grenze zur Tschechischen Republik (+ 14,3 Prozent). Die Durchschnittsangaben sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die regionale Entwicklung sehr unterschiedlich verlief. 29 der 55 Gemeinden verzeichneten einen mehr oder weniger großen Zuwachs der allgemeinen Kriminalität. In 25 Gemeinden ging die Fallzahl zurück und in einer Gemeinde blieb sie unverändert. Zu den Orten mit relativ hoher Zunahme zählten u. a. die Gemeinden Sebnitz, Olbernhau, Neugersdorf, Ostritz, Hohwald und Eibenstock.
Bezüglich der Kriminalitätsstruktur gab es im grenznahen Raum neben der großen Zahl unerlaubter Einreisen vor allem Abweichungen auf dem Diebstahlssektor. In den Städten Görlitz und Zittau dominierten mit mehr als 17 Prozent Ladendiebstähle. An der Grenze zu Tschechien war Ladendiebstahl weniger verbreitet. Hier nahmen Sachbeschädigung, Diebstahl von Kraftwagen bzw. in/aus Kraftfahrzeugen und Urkundenfälschung einen breiteren Raum ein als im Durchschnitt der sächsischen Gemeinden gleicher Größenanordnung.
Ausländerrechtliche Delikte ausgeklammert lag die Aufklärungsquote in den Grenzgemeinden zu Polen bei 61,0 Prozent, zu Tschechien bei 55,1 Prozent. Ingesamt wurden wegen allgemeiner Kriminalität 4.845 Tatverdächtige ermittelt, 16,1 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2000.
Ohne Verstöße gegen das AuslG/AsylVfG lag die Quote der Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen entlang der Grenze zu Tschechien bei 16,9 Prozent, entlang der Grenze zu Polen bei 29,9 Prozent. Etwa jeder dritte in den Grenzgemeinden zu Polen ermittelte Nichtdeutsche besaß die polnische Staatsbürgerschaft. Es wurden 2.034 polnische Tatverdächtige registriert, darunter 612 wegen allgemeiner Straftaten. In den Grenzgemeinden zu Tschechien besaß etwa jeder achte ermittelte Nichtdeutsche die tschechische Staatsbürgerschaft. 424 tschechische Tatverdächtige traten in Erscheinung, 99 von ihnen mit Delikten der allgemeinen Kriminalität.

Copyright © 2001 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!