17.05.2008
Zehn Jahre Deutsch-Tschechisches Abitur in Pirna
(DTPA/MT) PIRNA: Im Mai 1998 wurde eine fast schon historische Vereinbarung zwischen Sachsen und der Tschechischen Republik geschlossen. Inhalt ist eine gemeinsame binationale und bilinguale Ausbildung von Schülern aus beiden Ländern am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna. Heute, zehn Jahre danach, ist in der Elbestadt eine deutschlandweit einzigartige Schulkultur entstanden, die zur weiteren Annäherung zwischen Deutschland und Tschechien beiträgt.
Rund 75 tschechische und ebenso viele deutsche Jugendliche haben bisher ihr Abitur im Rahmen dieses binationalen-bilingualen Bildungsganges in Pirna abgelegt. Davor haben die Schüler, die erfolgreich eine Aufnahmeprüfung bestanden haben, von der 7. bis zur 12. Klasse gemeinsam die Schulbank gedrückt.
Schüler dieses Bildungsganges gehören zu den leistungsstärksten Abiturienten im gesamten Freistaat. Deutsche wie tschechische Schüler konnten viele Preise bei internationalen Wettbewerben erringen. Für mindestens genauso wichtig wie den schulischen Erfolg erachtet Sachsens Kultusminister Steffen Flath den Beitrag zur Völkerverständigung. "Diese Schule überwindet Grenzen der Sprache, der Kultur und der Bürokratie. Sie ist deshalb auch sehr wichtig für den europäischen Einigungsprozess", sagte der Minister heute auf der Jubiläums-Festveranstaltung in Pirna.
Auch die tschechische Seite freut sich über die Erfolge in Pirna. So lobte die 1. Vizeministerin des Tschechischen Ministeriums für Schulwesen, Jugend und Sport, Eva Bartoňová den gemeinsamen Bildungsgang: "Erfreulich ist vor allem, dass die Schüler hier in Pirna nicht nur zusammen lernen, sondern auch zusammen leben. Dies ist ein positives Signal für den Umgang beider Nationalitäten miteinander - gerade hier im grenznahen Raum", so Bartoňová.
Tschechien und Sachsen haben erneut ihre deutliche Absicht bekundet, weiter an diesem einzigartigen Projekt festzuhalten.
Die Kosten für die Internatsunterbringung in Höhe von rund 350.000 Euro pro Jahr teilen sich beide Länder, die 18 tschechischen Lehrer sind beim Freistaat Sachsen angestellt. Alle deutschen Lern- und Lehrmaterialien werden von der Stadt Pirna, die tschechischen Unterrichtsmittel vom Schulministerium in Prag finanziert.
Trotz rückläufiger Schülerzahlen hat sich die Zahl derer, die heute Tschechisch als Fremdsprache lernen, in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Heute lernen 2.165 Mädchen und Jungen an insgesamt 24 Schulen in Sachsen Tschechisch als Fremdsprache im regulären Unterricht (acht Grundschulen, drei Mittelschulen, elf Gymnasien und zwei Berufsschulen). Dazu kommen noch 120 Schulpartnerschaften zwischen beiden Ländern. Die Tschechische Republik nimmt damit den 1. Rang bei der internationalen Zusammenarbeit sächsischer Schulen ein. In diesem Jahr findet der erste sächsische Tschechischwettbewerb statt. Bei der so genannten "Bohemiade" treffen sich am 14. Juni 2008 die landesweit am besten Tschechisch sprechenden Schüler in Zittau.

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