25.02.2008
Tschechisch als Chance
(DTPA/MT) REGENSBURG: Das Interesse an der tschechischen Sprache wächst. Seit einiger Zeit häufen sich bei Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch die Anfragen nach Tschechisch-Unterricht. Auch das Bohemicum/Institut für Slavistik der Universität Regensburg spürt ein steigendes Interesse an der tschechischen Sprache. Da jedoch Tschechisch im bayerischen Grenzraum noch um seinen Platz kämpfen muss, luden Tandem und das Bohemicum am Freitag, 22. Februar 2008, Vertreter/innen aus den Bereichen Schulwesen, Kultusministerium und Wirtschaft zu der Tagung "Tschechisch an bayerischen und sächsischen Schulen" ein. Ziel war, den Bedarf an Tschechisch-Unterricht an bayerischen Schulen zu eruieren, Einrichtungen, die Tschechisch-Unterricht anbieten (wollen), zu vernetzen, sowie die Einführung eines international anerkannten Sprachenzertifikats anzustoßen.
Besonders in den Grenzregionen ist das Interesse an der Vermittlung der tschechischen Sprache deutlich gestiegen. Die vielen Anfragen an die bundesweit tätige Einrichtung Tandem dokumentieren diesen Trend. Auch am Bohemicum ist ein stärkeres Interesse an Tschechien und der tschechischen Sprache zu spüren. Thomas Rudner, Leiter von Tandem Regensburg, und Prof. Dr. Marek Nekula, Leiter des Bohemicum der Universität Regensburg, sahen es daher als notwendig an, Vertreter/innen des bayerischen und sächsischen Schulwesens an einen Tisch zu bringen. Gleichzeitig wurden auch Fachleute aus der Wirtschaft geladen, um die Diskussion um die Perspektive auf die Praxis/Wirtschaft zu erweitern.
Rainer Beck, Leiter Außenwirtschaft/Kooperationsberatung bei der Handwerkskammer Oberfranken, beleuchtete in seinem Referat die Probleme und Schwierigkeiten, mit denen sich kleine und mittelständische (Handwerks-)Unternehmen konfrontiert sehen, wenn sie ihre geschäftliche Tätigkeit auf Tschechien ausweiten: "Die Hauptschwierigkeiten sind sprachliche Barrieren, Mentalitätsunterschiede und das Nichtvorhandensein von Ansprechpartnern im Nachbarland." Das Erlernen der tschechischen Sprache ist daher eine wichtige Grundlage für erfolgreiche deutsch-tschechische Wirtschaftsbeziehungen. Nach Ansicht von Rainer Beck wäre es vor allen Dingen im grenznahen Raum von großer Wichtigkeit, das Angebot an Tschechisch-Unterricht weiter auszubauen. Dieser Meinung war auch Michaela Jarmer von der Euregio Egrensis – jedoch im Hinblick auf die Völkerverständigung. "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt", zitierte sie Ludwig Wittgenstein und sagte damit alles. Schließlich fordert die Euregio Egrensis, die für die "Sprachoffensive Tschechisch Deutsch" mit dem Europäischen Sprachensiegel 2007 ausgezeichnet wurde, ein international anerkanntes Zertifikat für Tschechischlehrende und –lernende.
An sächsischen Schulen ist der Tschechisch-Unterricht bereits weit verbreitet. Ziele des freiwilligen Tschechischlernens sind der Wissenserwerb, die Kompetenzentwicklung und Werteorientierung. Das sächsische Kulturministerium geht sogar soweit, den Schulen, die intensiven Tschechisch-Unterricht anbieten, Fremdsprachenassistenten/innen zur Verfügung zu stellen.
An vielen Schulen Bayerns hingegen muss Tschechisch mit anderen Sprachangeboten konkurrieren, die derzeit noch populärer sind. Eine weitere Unterstützung der Schulen, die in den Grenzregionen ihr Tschechisch-Angebot ausbauen möchten, wurde allgemein für sinnvoll erachtet.
Aus Sicht der Wirtschaft gibt es allen Grund, die Vermittlung der tschechischen Sprache zu intensivieren. Die tschechische Wirtschaft boomt und das Lohngefälle zwischen Deutschland und Tschechien wird sich in den kommenden Jahren schrittweise verringern, somit wird der tschechische Arbeitsmarkt für deutsche Arbeitnehmer/innen, vor allen Dingen für diejenigen aus dem grenznahen Raum, mehr und mehr interessant. Auf dem tschechischen Arbeitsmarkt erfolgreich Fuß fassen kann allerdings nur derjenige/diejenige, der/die der tschechischen Sprache mächtig ist.

Weitere Informationen: http://www.tandem-org.de

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