15.07.2000
Wismut sieht Ende und Anfang
(DTPA) Vom 11. bis 14. Juli trafen sich im erzgebirgischen Schlema und thüringischen Ronneburg etwa 200 Teilnehmer aus 20 Ländern zur Internationalen Konferenz "Wismut 2000 - Bergbausanierung". Die Vertreter von Firmen und Behörden diskutierten über verschiedene Fragen, die im Zusammenhang mit der Sanierung von Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus standen. Einen besonderen Stellenwert nahm der Erfahrungsaustausch mit Staaten aus Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion ein. Die Schirmherrschaft der Konferenz hatte der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie übernommen.

Schneller Wandel der Wismut

Seit 10 Jahren bringt die Wismut alte Bergbaugebiete in Sachsen und Thüringen auf Vordermann. 1990 stellte die SDAG Wismut den Uranabbau ein. Ca. 40.000 Menschen hatten zuvor aus Armerzen viel zu teures Rohuran produziert. Ein Ende setzten Perestroika und Abrüstung. Am 16. Mai 1991 unterzeichneten Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann und der sowjetische Minister für Atomenergetik Konowalow in Chemnitz den Vertrag über die Beendigung der Tätigkeit der SDAG Wismut. Das Unternehmen wandelte sich in die Wismut GmbH, deren Alleingesellschafter die Bundesregierung ist.
"Der Übergang von Produktion in Sanierung kam für uns so abrupt, dass keiner vorlaufende Zeit für eine Planung hatte", so Dr. Manfred Hagen, Geschäftsführer der Wismut GmbH gegenüber DTPA. So musste die Wismut internationales Know-how mit in den Sanierungsprozess einbeziehen. Mitarbeiter machten sich unter anderem in Kanada, Australien oder den USA schlau.

Wismut unterstützt Tschechische Republik

Nach zehn Jahren hat auch die Wismut GmbH Erfahrungen gesammelt, die sie nun an andere weitergeben möchte. Jüngstes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit DIAMO im tschechischen Straz pod Ralskem. Straz liegt im Isergebirge 40 Kilometer westlich von Liberec. Ähnlichkeiten auf beiden Seiten der Grenze verbinden die Wismut und DIAMO. Die benachbarten Länder haben jahrelang Uran abgebaut. Einziger Unterschied: Währenddem die Wismut schon die Hälfte ihrer Sanierung überstanden hat, wird bei DIAMO gerade damit begonnen - der Uranbergbau in Straz geht erst jetzt dem Ende entgegen.
"In meinen Augen ist eine der wichtigsten Umweltaufgaben, die DIAMO bevorstehen, gerade die Bewältigung der kontaminierten Wassermassen, die durch das Einpumpen von Schwefelsäure zu Produktionszeiten entstanden ist", meinte Alexander Thomas Jakubick von der Wismut GmbH, der an der Ausarbeitung des Projektes für DIAMO maßgeblich beteiligt war. Das Konzept sieht vor, mehrere Millionen Liter kontaminiertes Grundwasser zu reinigen.
"Die Umweltverschmutzung oder Umweltproblem machen keinen Halt an der deutsch-tschechischen Grenze. Und insofern bekommt das Problem eine andere Dimension als lediglich die ökonomische", sagte Jakubick der DTPA. Das Bergbaugebiet Straz pod Ralskem liegt im Einzugsgebiet der Elbe und ist nicht weit von der deutschen Grenze entfernt.

ISPA-Projekt soll helfen

Finanziert werden soll das Umweltprojekt über das Förderprogramm ISPA der Europäischen Union. "Wir hoffen, dass wir mit diesem Vorschlag auch irgendwann mal eine echte Sanierung werden anfangen können, wenn das Programm die Zustimmung des tschechischen Umweltministeriums und von Brüssel findet," so Jakubick.
Kopfzerbrechen bereitet Alexander Thomas Jakubick momentan noch der Papierkrieg zwischen dem für DIAMO zuständigen tschechischen Industrieministerium und dem tschechischen Umweltministerium: "Das Problem liegt bei dem Industrieministerium und wir sind mit dem fachlich wirklich gut ausgestatteten Personal bei DIAMO sofort imstande, die Sanierungsarbeiten durchzuführen, wenn die notwendigen Gelder zur Verfügung stehen würden. Jedoch laufen die Fördergelder von der EU auf der Umweltschiene und deswegen müssen die Anträge vom Umweltministerium gestellt werden."

Verbindungen zu Osteuropa intensivieren

Die Beziehungen zu Tschechien möchte Wismut-Geschäftsführer Manfred Hagen in den nächsten Jahren in der Vorbereitung auf den EU-Beitritt noch weiter ausbauen: "Die Tschechische Republik muss ja die Umweltstandards erfüllen, die in der EU gelten. Wir sind da, glaube ich, für unsere Tschechischen Partner ein ganz wichtiger und vor allen Dingen glaubwürdiger und erfahrener Partner."
In etwa acht Jahren wird in den einstigen deutschen Uranbergbaugebieten die Beseitigung von Schäden abgeschlossen sein. Bis dahin will sich die Wismut GmbH vom Sanierungs- zum Dienstleistungsunternehmen gewandelt haben. Mit ihrem Know-how möchte sie dann verstärkt in Osteuropa helfen.

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