11.07.2000
Böhmischer Tag bei Preßnitztalbahn
(DTPA) JÖHSTADT: Hochglanz ist selbstverständlich. Polieren eine gern erfüllte Pflicht. Im Jahr 2000 ist Feuer im Kessel der Preßnitztalbahn. Die Museumsbahn ist auf großer Fahrt. Zehn Jahre hat es gedauert und mit mindestens zehn Lokomotiven soll es gebührend gefeiert werden: Ab dem 19. August werden die Züge der Preßnitztalbahn regulär von Jöhstadt bis nach Steinbach fahren.
Als Eisenbahnfreunde 1990 in Jöhstadt begannen, den alten Lokschuppen zu entrümpeln und verfaulte Schwellen aus dem Bahndamm zu ziehen, glaubte außer diesen Idealisten wohl kaum jemand, dass tatsächlich wieder Eisenbahnatmosphäre ins Preßnitztal einkehren würde. Die Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e.V., 1990 neu gegründet, setzte sich damals das Ziel, den Abschnitt Jöhstadt - Schmalzgrube - Steinbach als Museumsbahn wieder aufzubauen. Große Pläne für den ehrgeizigen Verein. Dazu Kai Kreisel, Vorsitzender vom IG Preßnitztalbahn e.V.: "Der Verein ist mit einem Durchschnittsalter von 20 bis 30 Jahren sehr jung. Wir sind, denk ich, der größte Eisenbahnverein in Sachsen. Wir haben ungefähr 400 Mitglieder, davon 80 aktive. Der Verein ist sehr engagiert. Es gibt wirklich viele junge Leute, die ihre gesamte Freizeit, ihren gesamten Urlaub investieren, um hier etwas zu verwirklichen. Und ich denke, der Verein kann diesen Leuten eine gute Voraussetzung und sehr gute Bedingungen bieten, um Hobby und Freizeit sinnvoll zu verbringen."
Seit 1892 verbindet eine 23 Kilometer lange Strecke die Orte Wolkenstein und Jöhstadt. Der Verfall begann, als die Deutsche Reichsbahn an den Gleisen systematisch die dringend notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen vernachlässigte. Das Aus kam an einem Freitag, dem 13. im Jahre 1984. Der Reisezugverkehr zwischen Jöhstadt und Schmiedeberg wurde eingestellt. Jahrelang fährt dann kein Zug mehr. Für die Museumsbahn musste die Strecke laut Kai Kreisel neu gebaut werden. "Ja, die Gleise waren komplett demontiert worden, diese Strecke ist also kompletter Neubau. Wir haben uns bemüht, preisgünstiges Gleismaterial zu bekommen. Aus dem Abriss von vielen Eisenbahnstecken, gerade im Bereich von Tagebauanlagen konnten wir günstig gutes Material erwerben. Dieses Material steht jetzt hier im Preßnitztal wieder als Schmalspurbahn zur Verfügung.
Was musste nicht alles geschaffen werden, bis die Loks wieder im Preßnitztal dampfen konnten. Für jedes Vereinsmitglied waren das zahlreiche Arbeitstunden.
Das Geschaffene kann sich sehen lassen. Eine gute Möglichkeit bietet sich zum Beispiel bei der Festwoche im August. Über 200 Sonderzüge hat die Preßnitztalbahn vom 19. bis zum 27. August vorgesehen. Andere Vereine und Eisenbahnen aus ganz Deutschland wollen sich mit zahlreichen Dampfloks und Wagen beteiligen. In den Orten Jöhstadt, Schmalzgrube und Steinbach wird es je einen Festplatz mit zahlreiche Festveranstaltungen geben. Jeder Tag ist unter einem bestimmten Motto gestellt. Für Mario Eberlein ist vor allem der 22. August ein wichtiges Datum, in der Festwoche steht dann der "Böhmische Tag" auf dem Programm: "Wir befinden uns in unmittelbarer Grenznähe zu Tschechien, Luftlinie zirka 3 bis 4 Kilometer, und wie erhoffen uns durch diesen Böhmischen Tag erstmals tschechische Tagesgäste und Ausflügler, sowie Eisenbahnfans, für unsere Region zu gewinnen, um ihnen, die attraktiven Seiten unserer Region zu zeigen."
Für die IG Preßnitztalbahn ist die Festwoche das Dampfspektakel für das Jahr 2000 schlechthin. Aus nah und fern werden Touristen und Bahnfreunde kommen. Doch sind auch wirklich Gäste aus Tschechien in großer Zahl zu erwarten?
Dazu sagt Mario Eberlein gegenüber der DTPA: "Die Resonanz ist bis jetzt sehr gut, wir arbeiten mit der tschechischer Seite zusammen, das ist hauptsächlich der tschechische Eisenbahnverein aus Chomutov, genannt: Lokomotiv. Wir haben für diesen Böhmischen Tag auch spezielle Programmpunkte erarbeitet, die wiederum auf Vereinsbasis oder auf freiwilliger Basis von tschechischen Gästen getragen werden. Ein Beispiel sind Sportvergleiche, die in Steinbach stattfinden. Steinbach ist übrigens das Festzentrum zum Böhmischen Tag. Darüber hinaus werden tschechische Fahrgäste die ganze Woche die Möglichkeit erhalten, hier bei uns auf der Bahn mitzufahren. Dafür Streuen wir 300 Freifahrkarten und tschechischsprachige Prospekte, im böhmischen Ballungsgebiet und finden da auch Unterstützung bei der Tschechischen Staatsbahn, die uns bei der Bewerbung unseres Anliegens hilft."

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