15.10.2007
Wirtschaft fordert Arbeitnehmerfreizügigkeit
(DTPA/MT) HAMBURG/CHEMNITZ: "Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels in Zentraleuropa muss die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit in ganz Europa schnellstmöglich sichergestellt werden", diese klare Forderung erhob der neue Präsident der Kammerunion Elbe/Oder (KEO), Michael Lohse, Präsident der IHK Südwestsachsen in Chemnitz. Bei der Generalversammlung des grenzüberschreitenden Verbunds von deutschen, polnischen und tschechischen Industrie- und Handelskammern richteten die 29 Mitgliedsorganisationen am 12. Oktober in Hamburg einen eindringlichen Appell an alle Politiker aus dem Dreiländerraum.
Zur Begründung sagte Lohse weiter, angesichts des demografischen Wandels, der sich negativ auf das Angebot an Arbeitskräften auswirkt, seien noch bestehende Regelungen zur Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU realitätsfern und unzeitgemäß. Ab 2009 sei Deutschland das letzte verbleibende Land, in dem noch Restriktionen gelten. Der Präsident wörtlich: "Wer die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit nicht aufhebt, schadet sich selbst."
Weitere Punkte der Tagung waren die wichtigsten Aktivitäten des kommenden Jahres. Zum Beispiel ist geplant, beim Hochwasserschutz enger zusammenzuarbeiten. Während in Deutschland nach den letzten Hochwassern hohe Investitionen vorgenommen wurden, berichten die Unternehmer der Nachbarländer von ihrer Angst, weil viele Hochwasserschutzmaßnahmen noch nicht realisiert sind.
Das in der KEO zuletzt 2005 aktualisierte Positionspapier zum Infrastrukturprogramm "Brücken über Elbe und Oder" wird auf den Prüfstand genommen. Unter dem Eindruck der Globalisierung sind die logistischen Anforderungen in Zentraleuropa für den gemeinsamen Entwicklungsraum von entscheidender Bedeutung für weiteres wirtschaftliches Wachstum. Drei Schwerpunkte wurden genannt: die Sicherstellung der Hamburger Hinterlandverkehre, das Thema Logistik und Vernetzung sowie der weitere Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
Die Kammerunion Elbe/Oder wurde im Jahr 2000 in Hamburg gegründet. Mittlerweile gehören diesem Netzwerk 29 IHKs an. Die KEO vertritt damit über 600 000 Mitgliedsunternehmen und ist für diese ein Sprachrohr zur Politik in den jeweiligen Ländern und auf europäischer Ebene. In der Region Elbe/Oder leben 37 Millionen Menschen und damit acht Prozent aller EU-Bürger. Verglichen mit den Mitgliedsstaaten der EU steht die Region Elbe/Oder mit einem Bruttoinlandsprodukt von 530 Milliarden Euro auf Platz 6.
Der neu gewählte Präsident Michael Lohse folgte im turnusmäßigen Wechsel auf den Präsidenten der Wirtschaftskammer Liberec, Jaroslav Kopta.

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