21.06.2007
Deutsch-Tschech. Beratungsstelle für Straffällige
(DTPA/MT) HEIDENAU: Am 21. Juni hat Sachsens Justizminister Geert Mackenroth in Heidenau die Deutsch-Tschechische Beratungsstelle für Straffällige im Beisein des stellvertretenden Justizministers der Tschechischen Republik eröffnet. Diese Beratungsstelle im Grenzgebiet zwischen Sachsen und der Tschechischen Republik hat ihr Domizil im Hause des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland gefunden. Sie soll Straftäter, die im Nachbarland straffällig geworden sind, unterstützen, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Damit fördert sie grenzüberschreitend die Prävention und stärkt den Opferschutz.
Das Sächsische Staatsministerium der Justiz hat damit schon die zweite europäische Beratungsstelle ins Leben gerufen: Seit einigen Jahren arbeitet in Görlitz die Deutsch-Polnische Beratungsstelle höchst erfolgreich. Betrieben wird auch die Deutsch-Tschechische Beratungsstelle durch den Sächsischen Landesverband für Soziale Rechtspflege. Ihre Aufgabe besteht beispielsweise in der grenzüberschreitenden Konfliktschlichtung durch einen Täter-Opfer-Ausgleich. "Konfliktschlichtung lebt durch Sprache. Hier setzt unsere Idee der europäischen Beratungsstelle an. Mitarbeiter, die in beiden Sprachen zuhause sind, können sich jenseits sprachlicher und mentaler Unterschiede sowohl in deutsche als auch tschechische Beteiligte des Täter-Opfer-Ausgleichs gut hineinversetzen," erläuterte Justizminister Geert Mackenroth. "Von einem Täter-Opfer-Ausgleich profitieren beide Seiten. Das Opfer hat die Chance, dass der ihm zugefügte Schaden schnell und unbürokratisch wieder gut gemacht wird. Dem Täter kann das Gericht einen erfolgreichen Täter-Opfer-Ausgleich strafmildernd anrechnen und eine geringere Strafe aussprechen, als das sonst der Fall gewesen wäre."
Ein weiteres Beispiel: Kann der Verurteilte eine Geldstrafe nicht bezahlen, ist eine so genannte Ersatzfreiheitsstrafe in einer Justizvollzugsanstalt zu verbüßen. Damit verbunden sind die negativen sozialen Folgen einer Inhaftierung für den Verurteilten und seine Familie, gleichzeitig aber auch hohe Kosten für die Bereitstellung des Haftplatzes. Deshalb ist es in Deutschland möglich, eine Ersatzfreiheitsstrafe durch gemeinnützige Arbeit zu vermeiden. Das soll die Europäische Beratungsstelle nun auch tschechischen Straftätern, die in Deutschland straffällig geworden sind, ermöglichen.
Justizminister Geert Mackenroth: "Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden wird kontinuierlich verbessert, zum Beispiel durch den Europäischen Haftbefehl. Aber wir beschränken unsere Bemühungen nicht auf die Strafverfolgung. Wir wollen allen Beschuldigten, Angeklagten, Inhaftierten und Entlassenen – unabhängig von ihrer Nationalität – die gleiche Hilfe zur Wiedereingliederung gewähren und damit Prävention und Opferschutz auch grenzüberschreitend stärken."
Rainer Lips, Vorsitzender des Landesverbandes für soziale Rechtspflege: "Ich hoffe, dass die deutsch-tschechische Beratungsstelle in Heidenau mit Hilfe des Sächsisches Staatsministeriums der Justiz ebenso erfolgreiche Arbeit leisten kann wie die seit Mitte 2005 in Görlitz bestehende deutsch-polnische Beratungsstelle." In Görlitz wurden allein im letzten Jahr 270 Personen beraten.

Copyright © 2007 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!