29.05.2007
Bayern verlässlicher Anwalt der Sudetendeutschen
(DTPA/MT) AUGSBURG: Bayerns Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber hat sich beim Sudetendeutschen Tag in Augsburg für einen fairen politischen Dialog mit Tschechien unter Beteiligung der Sudetendeutschen stark gemacht. Stoiber: "Die Hand Bayerns und der Sudetendeutschen ist ausgestreckt. Im Dialog liegt die Zukunft unserer Kinder und Enkel in Deutschland genauso wie in Tschechien. Denn Vergangenheit belastet nicht, wenn man darüber redet. Vergangenheit belastet, wenn man sie verschweigt und unter den Teppich kehrt." Stoiber zeigte sich zuversichtlich, dass die "Politik des langen Atems" im Interesse von Sudetendeutschen und Tschechen erfolgreich sein wird. Stoiber: "Ich habe es immer wieder erlebt: Die Wahrheit setzt sich durch. Bayern wird die Position nicht aufgeben, dass Vertreibung Unrecht ist und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Vertreibung ist mit dem Recht, dem Geist und der Kultur Europas nicht vereinbar."
Stoiber bezeichnete es als ermutigendes Signal, dass das Bewusstsein für das Leid von Flucht und Vertreibung in Europa wächst. Stoiber: "In Estland bedauert man die Vertreibung der Deutschen. Ungarn hat sogar im letzten Jahr eine zentrale Gedenkstätte und ein Denkmal für die Vertriebenen Deutschen bei Budapest eingeweiht. Und auch in der jüngeren Generation in Tschechien kommt ein Prozess in Gang, sich vorbehaltlos und ideologiefrei mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Das ist genau der richtige Weg." Stoiber kündigte an, dass Bayern auch künftig der verlässliche Anwalt der Sudetendeutschen bei der Aufarbeitung der Vergangenheit sein wird. Der Ministerpräsident bekräftigte, es sei für ihn als Schirmherr der Sudetendeutschen selbstverständlich, dass er bei einem offiziellen Besuch in der Tschechischen Republik von Sudetendeutschen begleitet werde.
Stoiber kündigte an, dass Bayern weiter Druck machen wird für eine möglichst schnelle Realisierung eines Zentrums gegen Vertreibungen als sichtbares Zeichen der Erinnerung auch an Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen. Stoiber: "Bayern hat dieses Projekt von Anfang an unterstützt, denn wir sehen darin ein wichtiges nationales Anliegen. Die von der Union geführte große Koalition hat das Zentrum gegen Vertreibungen auf die politische Agenda für diese Legislaturperiode gesetzt. Es ist unser fester Wille, dieses ‚sichtbare Zeichen’ in Berlin auf den Weg zu bringen." Nach den Worten Stoibers wird auch Bayern seinen Teil zur Errichtung dieser Gedenkstätte beitragen, wenn eine gute Konzeption vorliegt, die Finanzierung steht und die Trägerschaft geklärt ist. Stoiber bezeichnete es als selbstverständlich, dass die Vertriebenen an der Gedenkstätte konzentriert mitwirken und an ihre Erarbeitung auch beteiligt werden. Stoiber: "Das Zentrum gegen Vertreibungen richtet sich gegen niemanden, es ist schlicht Teil unserer nationalen Identität."
Stoiber kündigte an, dass Bayern selbst für die Sudetendeutschen als viertem Stamm in Bayern handeln wird. Stoiber: "Zur guten Zukunft Bayerns gehört auch die Bewahrung der Traditionen, die Festigung der bayerischen Identität und der Zusammenhalt aller Stämme. Deshalb wollen wir ein zentrales sudetendeutsches Museum in München im Sudetendeutschen Haus." Das Museum ist nach Stoibers Worten ein Zukunftsprojekt von herausragender Dimension. Es muss, so Stoiber, ein Museum werden, das qualitativ neben anderen ähnlichen Museen bestehen kann und bis nach Tschechien ausstrahlt. Auf dieses große Ziel müssen die Kräfte konzentriert und gebündelt werden, betonte Stoiber. Das Museum sei eine bedeutende Weichenstellung für die Zukunft der sudetendeutschen Volksgruppe in Bayern.
Stoiber stellte in seiner Rede vor tausenden Sudetendeutschen vor allem die großen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Impulse heraus, die die Sudetendeutschen gemeinsam mit allen Heimatvertriebenen in Bayern nach der Vertreibung erbracht haben. Stoiber: "Die Vertriebenen haben mit ihrer Leistung, mit ihrer geistigen und kulturellen Potenz entscheidend zum Aufstieg Bayerns beigetragen. Ohne die Sudetendeutschen wäre die Erfolgsgeschichte Bayerns nach 1945 überhaupt nicht vorstellbar. Es war eine großartige Gemeinschaftsleistung zusammen mit den Einheimischen, dass die Vertriebenen in Bayern völlig integriert sind und hier eine gute neue Heimat gefunden haben."

Copyright © 2007 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!