10.05.2007
Jugendforum legt Ergebnisse vor
(DTPA/MT) PRAG: Das dritte Deutsch-tschechische Jugendforum präsentierte am 7. Mai 2007 seine Projektergebnisse an der Deutschen Botschaft Prag und blickte hierbei auf die sehr erfolgreiche Amtszeit 2005 bis 2007 zurück. "Natürlich haben wir auch von der Arbeit unser Vorgänger profitiert und in vielen Bereichen kontinuierlich weitergearbeitet, wo das zweite Jugendforum vor zwei Jahren aufgehört hat", erklärt die deutsche Sprecherin Kathrin Freier, "in den letzten sechs Jahren ist es dem Jugendforum gelungen, einen festen Platz in den deutsch-tschechischen Beziehungen einzunehmen und mit seinen Projekten die Anliegen der jungen Menschen vorzutragen." Dazu ergänzt der tschechische Sprecher Jan Zajic: "Neben der inhaltlichen Arbeit haben wir auch versucht, auf politischer Ebene Akzente zu setzen. So kam der Vorschlag für das Thema der Jahreskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums 2006 in Liberec aus den Reihen des Jugendforums, nämlich "Barrieren durch Bildung überwinden". An der inhaltlichen Vorbereitung und Ausgestaltung waren viele Mitglieder des Jugendforums aktiv beteiligt."
Konkret arbeiteten die 40 Jugendlichen aus Deutschland und Tschechien in den letzten zwei Jahren in fünf verschiedenen Arbeitsgruppen an den unterschiedlichsten Projekten. "Die Ungebundenheit ist gerade eine der Stärken des Jugendforums", so Kathrin Freier, "die Themengebiete sind völlig frei wählbar und die unterschiedlichen Schwerpunkte lassen jedem Mitglied Entfaltungsmöglichkeiten. Wir sind zudem an keine politischen Zwänge gebunden und damit völlig unabhängig. In der nächsten Amtszeit können so wieder völlig andere Themenbereiche auf der Agenda stehen." Neben den fünf Arbeitsgruppen initiierte das Jugendforum auch das so genannte "Schulprojekt", das vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, dem DAAD und dem Goethe-Institut finanziert wurde. Deutsche und tschechische Mitglieder besuchten Schulen ihres Heimatlandes und informierten über das jeweils andere Land und die Möglichkeiten, dort durch Freiwilligendienste, Praktikum oder Studium einen Teil der eigenen Ausbildung zu absolvieren. Dazu Jan Zajíc: "Das Schulprojekt hat überall großen Anklang gefunden, sowohl bei Lehrern als auch Schülern in beiden Ländern. Das Besondere ist zudem, dass dieses Projekt von Mitgliedern aus allen fünf Arbeitsgruppen getragen wurde. Ein besonderer Dank gilt natürlich den Förderern, denn ansonsten wäre eine Realisierung dieser Idee für uns finanziell nicht durchführbar gewesen."
Die AG Politik und Zeitgeschichte hat im Projekt "Die deutsch-tschechischen Beziehungen und die junge Generation – Heimat, Geschichte, Zukunft, Europa" Meinungen deutscher und tschechischer Jugendlicher zu den Beziehungen beider Länder untersucht. Nach ausführlicher Recherche deutscher sowie tschechischer Tageszeitungen stand für die AG-Mitglieder fest: Die Ansichten der jungen Generation spielen keine Rolle in der Berichterstattung. Um dies zu ändern, hat die AG 1700 Schülerinnen und Schülern beider Länder nach ihrer Meinung gefragt. Demzufolge sehen die Jugendlichen die Vergangenheit zwar als relevant für die heutige Diskussion, aber bei weitem nicht als zentrales Thema. Erstaunlich ist der Fakt, wie wenig die Ereignisse während und nach dem Zweiten Weltkrieg bei den Befragten präsent sind und richtig eingeordnet werden können. Wissen und Einstellungen zueinander haben einen deutlich positiven Trend gezeigt, wobei mehr persönliche grenzüberschreitende Kontakte gewünscht werden. Dabei soll der Blick in die Zukunft auf die zwischenmenschliche statt primär auf die politische Auseinandersetzung gerichtet werden. Die ausführlichen Ergebnisse der Zeitungsrecherche und der Umfrage wurden bei der Abschlusspräsentation des Deutsch-tschechischen Jugendforums an der Deutschen Botschaft Prag in einer zweisprachigen Broschüre veröffentlicht. Sie ist erhältlich unter www.jugendforum.ahoj.info oder natglueck@hotmail.com.
Die Arbeitsgruppe Bildung beschäftigte sich in ihrem Projekt "Tschechisch? Sprech’ ich!" mit den Tschechischaktivitäten an bayerischen und sächsischen Schulen im deutsch-tschechischen Grenzraum. Das Ziel des Projektes bestand in der Einführung bzw. Verbesserung des Tschechischunterrichts in diesen Regionen. Zudem sollte die Studie als Anstoß für die Entstehung von Arbeitsgruppen an Schulen wirken, Kontaktinformationen zu Schulpartnerschaften und deutsch-tschechischen Institutionen vermitteln und den Aufbau eines Netzwerkes zwischen Tschechischlehrern in Deutschland anregen. An lediglich 18 der 152 befragten Schulen in Bayern wird Tschechischunterricht als Wahlfach oder Arbeitsgemeinschaft angeboten. Mehr als ein Drittel der Schulen, die Tschechisch bislang noch nicht unterrichten, würden die Einführung von Tschechischunterricht als Wahlfach oder Arbeitsgemeinschaft begrüßen. Als Schwierigkeiten bei der Einführung des Fachs sehen sie vor allem mangelndes Interesse, fehlende Sprachlehrer, das Stundenkontingent und das Budget.
Die AG Jugend hat sich in den letzten beiden Jahren hauptsächlich mit zwei Projekten beschäftigt. Zum einen wurde ein Fotoprojekt durchgeführt, das obdachlose Jugendliche in Prag und Hamburg motivierte, ihr Alltagsleben mit Einwegkameras zu dokumentieren. Die besten Bilder wurden auf der Abschlusspräsentation an der Deutschen Botschaft Prag ausgestellt. Zum anderen wurde mit dem Projekt "Mobilitätshindernissen II" eine Studie aus dem zweiten Jugendforum fortgeführt. Ziel der Studie ist es, durch Erfahrungen aus erster Hand auf Hindernisse im deutsch-tschechischen Jugendaustausch aufmerksam zu machen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei Änderungen durch die EU-Erweiterung. Der Abschlussbericht liegt in einer ersten Auflage vor und steht ebenfalls auf den Internetseiten des Jugendforums zum Download bereit.
Die AG Kommunikation koordinierte den deutsch-tschechischen Schreibwettbewerb "Das bekannte Unbekannte", an dem deutsche und tschechische Schüler teilnehmen konnten. Ihre Aufgabe war es, einen Beitrag zum Thema "Was bedeutet Tschechien bzw. Deutschland für mich" zu schreiben. Der Wettbewerb gliederte sich in vier Kategorien. Die Sieger jeder Kategorie wurden im Rahmen der Abschlusspräsentation an der Deutschen Botschaft Prag mit einem Geldpreis von 2000 Kronen ausgezeichnet. Die Juroren waren Mitglieder des Deutsch-tschechischen Jugendforums, Mitarbeiter des Goethe-Instituts Prag und der Schriftsteller Jaroslav Rudiš.
Die AG Begegnungen arbeitete an der Vorbereitung und Durchführung einer Fortbildung für Leiter und Mentoren des deutsch-tschechischen Jugendaustausches. Im Rahmen dieses Seminars, das vom 4.-11. August 2007 im südmährischen Valtice stattfinden wird, sollen sich die Teilnehmer in Workshops, Sprachanimationen und Kleingruppen über Problematiken bei deutsch-tschechischen Jugendbegegnungen austauschen und Lösungsansätze diskutieren.
Mit der Abschlusspräsentation an der Deutschen Botschaft erklärte der Stellvertretende Botschafter Konrad Scharinger die dritte Amtszeit des Jugendforums für offiziell beendet. Von nun an übernehmen die beiden neuen Koordinatorinnen für die vierte Amtsperiode, Janina Trapp und Lenka Dušková, die kommissarische Leitung, ehe das vierte Jugendforum auf seinem ersten Plenartreffen vom 6. bis 9. September 2007 in Nürnberg zwei neue Sprecher und Stellvertreter wählt. Bis zum 31. Mai 2007 können sich noch junge Deutsche und Tschechen zwischen 16 und 24 Jahren für die Teilnahme am vierten Deutsch-tschechischen Jugendforum bewerben. Weitere Hinweise zur Bewerbung finden Sie auf den Internetseiten des Jugendforums.

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