30.03.2007
DTIHK-Konjunkturumfrage 2007
(DTPA/MT) PRAG: Unbeeindruckt vom politischen Stillstand des Jahres 2006 und den in der Folge abermals liegen gebliebenen Reformprojekten präsentierte sich die tschechische Wirtschaft im vergangenen Jahr erneut in einer sehr soliden Verfassung. Bei den Aussichten für das eigene Unternehmen im Jahr 2007 zeigen sich die deutschen Firmen in Tschechien optimistischer als für die Entwicklung der tschechischen Wirtschaft insgesamt. Mit Blick auf eine Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen erweisen sich die Abgabenbelastung, die mangelhafte Korruptionsbekämpfung sowie der Arbeitsmarkt als größte Problemfelder. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) nach Auswertung ihrer aktuellen Konjunkturumfrage bei deutschen Unternehmen in Tschechien. An der Befragung zu Jahresbeginn 2007 beteiligten sich 123 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Dienstleistung und Handel.
"Nahezu zwei Drittel (2006: 48%) der Unternehmen bezeichnen die aktuelle Wirtschaftslage als gut, während rund ein Drittel (2006: 47%) der Befragten die Situation als befriedigend bewertet", sagte Bernard Bauer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DTIHK, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Bei der Beurteilung der eigenen Geschäftslage zeichne sich sogar ein noch freundlicheres Bild ab, ergänzte der DTIHK-Chef: "Die Zahl der Unternehmen, die ihre eigene Geschäftslage als gut bezeichnen, ist im Vergleich mit der Vorjahresumfrage noch einmal deutlich gestiegen. 70% der Befragten berichten über eine gute Geschäftslage".
Auch die Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2007 sind dem Urteil der ausländischen Investoren zu Folge erneut erfreulich. Von den teilnehmenden Firmen antworteten 35% (2006: 31%), dass sie mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im Jahr 2007 rechnen. Dagegen erwarten 61% (2006: 67%), dass sich die Wirtschaft auf dem derzeitigen Niveau weiterbewegen wird. Mittelfristig wird sich das Wirtschaftswachstum aber voraussichtlich nicht mehr im Rekordtempo der beiden vergangenen Jahre entwickeln. Geschäftsführer Bernard Bauer geht davon, dass der "Höhepunkt bei den Zuwachsraten erreicht ist". Daraus den Schluss zu ziehen, dass sich der wirtschaftliche Boom in Tschechien dem Ende zuneigt, hält er allerdings für verfehlt. Es lohne sich auch weiterhin, in Tschechien Geschäfte zu machen. Dies zeige auch die Prognose der Umfrageteilnehmer für die Geschäftsentwicklung. "Hier sind die Einschätzungen ebenfalls von Zuversicht getragen. 55% (2006: 42%) der Befragten erwarten in diesem Jahr noch bessere Geschäfte als im vergangenen Jahr".
Die insgesamt gute Lage in den Betrieben wird sich auch auf den Arbeitsmarkt positiv auswirken. Der aktuellen Umfrage zufolge planen 55 % (2006: 42 %) der Firmen einen Beschäftigungsaufbau. Bauer mahnte in diesem Zusammenhang dringend Verbesserungen bei der Qualifikation von Fachkräften an. Bereits heute sei es für viele Betriebe schwierig, genügend und ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden. Es sei besorgniserregend, dass sich in diesem Jahr die Bewertung der Arbeitsmarktsituation in den Bereichen Verfügbarkeit und Qualifikation von Arbeitnehmern im Rahmen der Umfrage verschlechtert habe. Kritisch äußerte sich Bauer auch zum neuen Arbeitsgesetz, das am 01. Januar 2007 in Kraft trat. Er erinnerte dabei an eine Initiative der Auslandshandelskammern in Tschechien, die im Dialog mit der Regierung Reformvorschläge für ein modernes und unternehmensfreundliches Gesetz erarbeiten wollen.
Das Vertrauen der deutschen Unternehmen in den Standort ist trotz der aktuellen Kritik weiterhin groß. Dies zeigt das deutliche Votum der Betriebe, die ihre Entscheidung in Tschechien zu investieren, erneut so treffen würden. Nur 17% (2006: 23%) würden heute in einem anderen Land investieren. Im Vergleich mit anderen Investitionsstandorten kann Tschechien daher seine starke Position behaupten. Im Standort-Ranking von insgesamt 20 überwiegend mittel- und osteuropäischen Ländern belegte Tschechien den ersten Platz.
Uneingeschränkten Zuspruchs erfreut sich in der Umfrage erneut der Euro. In diesem Jahr antworteten 80% (2006: 76%) der Firmen, dass der Euro nach Tschechien kommen solle. Die Verschiebung des Beitritts Tschechiens zur gemeinsamen Währungszone bewerten die Unternehmen daher kritisch. Die Mehrzahl der Befragten ist allerdings optimistisch, dass es gelingen wird, den erforderlichen Fahrplan für die Euroeinführung rechtzeitig zu verabschieden, so dass die Tschechische Krone im Jahr 2012 durch den Euro abgelöst werden kann.

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