08.06.2001
Prager Erzbischof bekommt Brückepreis 2001
(DTPA/MT) GÖRLITZ: Miroslaw Kardinal Vlk erhält den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2001. Die Gesellschaft zur Verleihung des Preises hatte den Prager Erzbischof wegen seines Wirkens als Priester vorgeschlagen, bei dem er Brücken zwischen Katholiken und Protestanten, Christen und Nichtchristen sowie Polen, Tschechen und Deutschen schlug.
Der Präsident der Gesellschaft, Prof. Willi Xylander, hatte am 30. Mai in Prag gemeinsam mit Oberbürgermeister Rolf Karbaum sowie Generalvikar Hubertus Zomack dem Kardinal den Preis angetragen. Karbaum erklärte dazu, für ihn stehe Vlk in besonderer Weise für erlittenes Unrecht in der Zeit des Kommunismus. Mit seiner Versöhnungsarbeit sei er Europäer im besten Sinne des Wortes.
Vlk wurde 1932 in Lisnice-Sepekov geboren. 1968 erhielt er die Priesterweihe und arbeitete dann als Sekretär der Bischofs von Budweis. 1972 wurde er aus politischen Gründen in kleine Pfarreien im Böhmerwald strafversetzt. 1978 verfügten die staatlichen Behörden ein Berufsverbot Er war deswegen bis 1986 als Fensterputzer in Prag tätig. In dieser Zeit machte er sich als Priester der Untergrundkirche verdient. Seit 1986 durfte er wieder als Pfarrer tätig sein. Im Herbst 1989 verurteilte er in einem "Versöhnungsbrief an die aus ihrer Heimat vertriebenen katholischen Böhmerwälder" die Vertreibung der Sudetendeutschen als "zutiefst unmoralische Tat". 1990 wurde er Bischof von Budweis, 1991 Erzbischof von Prag und 1994 zum Kardinal ernannt. Von 1993 bis 2000 war er Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, seit 1993 ist er Vorsitzender der europäischen Bischofskonferenzen.
Die Preisverleihung erfolgt in einem Festakt am 26. Oktober in der ehemaligen Görlitzer Synagoge.
Der Brückepreis wird seit 1993 in Görlitz für besondere Verdienste um die europäische Verständigung verliehen. Erste Preisträgerin war Marion Gräfin Dönhoff, die Herausgeberin der "Zeit". Ihr folgten 1995 der polnische Historiker und Politiker Adam Michnik, Chefredakteur der Tageszeitung Gazeta Wiborczka, 1998 der tschechische Botschafter und Schriftsteller Dr. Jiri Gruza, 1999 die Gründerin der "Stiftung für europäische Verständigung" Freya von Moltke und 2000 der jüdische Schriftsteller Arno Lustiger.

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