23.11.2006
Reise ins Unbekannte ein Erfolg
(DTPA/GP) TACHOV/ REHAU: Am Ende gab es fast Tränen. Die kleine Schwester des tschechischen Fußballschülers Patrik wollte ihre neuen Mitbewohner gar nicht mehr ziehen lassen. "Kommen Elias und 'Zenk' denn bald wieder?", fragte sie ihre Mama traurig als die roten DTFS-Busse wieder heim nach Deutschland fuhren. Drei Tage zuvor waren Elias Köcher und Matthias 'Zenk' Zenkel gemeinsam mit sechs weiteren Fußballschülern im Alter von 12 und 13 Jahren nach Tachov gekommen. Sie nahmen am ersten Gastschüleraustausch der Deutsch-Tschechischen Fußballschule teil. Die Jungs aus Hochfranken gingen als Tandems in tschechische Gastfamilien, besuchten mit ihren tschechischen Kameraden die Schule und absolvierten jeden Tag zwei Trainingseinheiten auf dem Fußballplatz.
Dass der von der EU geförderte Gastschulaufenthalt der Fußballschule so erfolgreich starten würde, hatten vorher nur wenige geglaubt. Seit Tagen herrschte umtriebige Nervosität. In Deutschland fragten die Eltern, was sie ihren Kindern alles für die Reise ins Unbekannte mitgeben müssten. Die Kinder wollten wissen, wie denn die Gastfamilien lebten, ob es Geschwister gäbe und vieles mehr. In Tschechien ein ähnliches Bild, nur spiegelverkehrt: Die Tachover Mamis kochten und backten wie wild, tauschten sich aus, was man unternehmen könne, damit die deutschen Kinder sich wie zu Hause fühlten. Die tschechischen Jungs konnten ihre Besucher kaum erwarten: Der kleine Petr rief seinen Papa, der das offizielle Empfangskomitee bildete, am Tag der Ankunft im 10-Minuten-Takt an. Immer wieder fragte er: "Papa, sind die Busse aus Deutschland schon angekommen?"
Die Nervosität zu Beginn fegte ein reichhaltiges böhmisches Essen weg. Palatschinken, Schnitzel, Schweinebraten mit Semmelknödeln oder Wiener servierten die Gastmütter. Johannes Zintl aus Marktredwitz ließ es sich besonders gut schmecken. Er verdrückte sieben Schnitzel - sehr zur Freude seiner Gastgeber. Der große Appetit sprach sich bei den Müttern schnell herum. Am nächsten Tag erhielten die deutschen Jungs die doppelte Ration als Pausenbrot, damit ihnen nichts fehlt.
In der Schule wartete dann die nächste interkulturelle Erfahrung. Noch nie hatten die deutschen Fußballschüler eine tschechische Schulstunde verfolgt. Mit einigem Staunen registrierten sie, dass es in Tschechien nur Noten von 1 bis 5 gibt. Nach jeder Stunde folgt eine kleine Pause und mittags gehen alle in die Schulkantine. Die Jungs aus Hochfranken wurden in den Unterricht voll integriert, am zweiten Tag mussten sogar einige einen Mathe-Test mitschreiben. Primus war Dominik Drechsel, der sich eine 1 abholte. Für den meisten Gesprächsstoff in den drei Schultagen sorgten die Jungs aus Deutschland aber bei den tschechischen Mädchen in der Klasse. Viele knipsten von den neuen Mitschülern gleich Fotos mit dem Handy. Auch den ein oder anderen noch schüchternen Flirtversuch soll es gegeben haben...
Erstaunlich war, wie die deutschen und tschechischen Jungs den Härtetest in der Sprache bestanden. War die Kommunikation in der Schule noch holprig, verständigten sie sich mit ihren Kameraden in einem Kauderwelsch aus Tschechisch, Deutsch und Englisch. Die Mutter von Martin behalf sich mit kleinen Karten, die sie den Kindern zeigte. Eine Badewanne? Ah, wir sollen Duschen gehen. Ein durchgestrichener Schuh? Aha, in Tschechien herrscht Hausschuh-Pflicht. Eine 7? Aha, morgen werden wir um 7 Uhr geweckt.
Die meiste Freude bereiteten Patrik, Martin, Petr, Mira, Elias, Matthias, Jo, Dominik, Flo, Alex, Sven und Fabian aber die Nachmittage und Abende. Nachmittags ging's mehrmals zum Einzeltraining mit Coach Robert Kilin ins benachbarte Dorf Dlouhý Ujezd. Das Abendprogramm bestand dann aus Bowling, einem Besuch im Eishockeystadion, Eis- oder Kuchenessen im Café, Spielen auf der Playstation und Fußball im Fernsehen. Den Kindern gefiel's. Wer hätte vorher gedacht, dass Tachov so viel bieten kann.
Am Ende der drei Tage hatten alle festgestellt, dass die Nervosität zu Beginn unbegründet war. Die tschechischen Mamis freuten sich über den Appetit, die Freundlichkeit ihrer Gäste und die Tatsache, wie gut sie manchmal schon Tschechisch sprechen können. Die deutschen Jungs erkannten: Das Leben in Tschechien ist sicher etwas anders, aber gerade das ist auch ganz spannend. Und die manchmal gehörten Vorurteile sehen in der Realität oft anders aus.
Die erfreulichste Nachricht ist die, dass die Vorfreude auf weitere Besuche gewachsen ist. Wie meinte Mira aus Tachov: "Dieser Austausch ist viel spannender als die bisherigen kurzen Treffen bei Trainings oder Turnieren. Machen wir das jetzt öfters? Ich freue mich schon zu sehen, wie unsere deutschen Teamkameraden leben..."

Bild: Sie waren die Pioniere beim Gastschüleraustausch in Tachov: Patrik, Martin, Petr, Mira, Elias, Matthias, Jo, Dominik, Flo, Alex, Sven und Fabian. (Quelle: Gerald Prell)
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