26.07.2006
Gastschüler kehren nach Hause zurück
(DTPA/MTL) MARKTREDWITZ: Die vor einem Jahr frisch renovierte Kaiserpfalz im böhmischen Eger hatte es dem 16-jährigen Jaroslav sichtlich angetan: "Ich wusste gar nicht, dass es so etwas bei uns gibt", staunte der Gymnasiast aus dem nur 20 Kilometer entfernten Asch. Auf die Egerer Burg waren Jaroslav und 29 weitere Schüler aus der Tschechischen Republik auf Einladung der EUREGIO EGRENSIS gekommen. Sie alle sind Stipendiaten der grenzüberschreitenden Organisation und verbrachten seit letztem Sommer ein Gastschuljahr an verschiedenen Gymnasien in Oberfranken und der Oberpfalz. In diesen Tagen kehren die jungen Tschechen in ihre Heimat zurück.
Mit dem "Bayerisch-Tschechischen Gastschuljahr", das in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert, hat die EUREGIO EGRENSIS seit 1996 über 300 jungen Tschechen einen Aufenthalt in Deutschland ermöglicht. "Die Schülerinnen und Schüler leben ein Jahr lang in einer deutschen Gastfamilie und lernen somit hautnah den deutschen Alltag kennen", sagt Dr. Birgit Seelbinder, Oberbürgermeisterin von Marktredwitz und Präsidentin der dort ansässigen Euregio. Im Laufe des Gastschuljahres verbessern die Stipendiaten nicht nur ihre Deutsch-Kenntnisse erheblich. Durch den täglichen Kontakt kommen sie auch ihren deutschen Mitschülern näher. "Sie werden zu Freunden Deutschlands," so Seelbinder, "zu Freunden unserer Region."
Die positiven Auswirkungen des Gastschuljahres haben sich inzwischen auch außerhalb der EUREGIO EGRENSIS herumgesprochen. Die Stuttgarter Robert-Bosch-Stiftung und der in Prag verwaltete Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds beteiligen sich ebenso an dem Vorzeigeprojekt wie die Bayerische Staatskanzlei. Staatsministerin Emilia Müller, die die tschechischen Schüler im Februar persönlich in München begrüßte, betonte auf dem Empfang, dass die Bayerische Staatsregierung ihr Engagement für das Gastschulprojekt als Investition in die Zukunft ansieht. Schließlich blieben die Stipendiaten, die als Deutschland-Experten später in der Verwaltung und Wirtschaft ihres Heimatlandes heiß begehrt sind, der bayerisch-tschechischen Grenzregion ein Leben lang verbunden.
Zu Deutschland-Experten wurden die Stipendiaten der EUREGIO EGRENSIS aber nicht nur wegen ihrer exklusiven Erfahrungen in der bayerischen Landeshauptstadt. Zwei Monate später besichtigten die Gastschüler auf Einladung der Hofer Bundestagsabgeordneten Petra Ernstberger das Berliner Reichstagsgebäude und hatten anschließend Gelegenheit, mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags zu diskutieren.
Als dritte Studienfahrt stand schließlich noch eine Besichtigung der Grenzüberschreitenden Gartenschau in Marktredwitz und Eger auf dem Programm. Die alljährliche Regionalexkursion dient eigentlich dazu, den tschechischen Gastschülern die kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt des bayerischen Teils der EUREGIO EGRENSIS näher zu bringen. Wie man an Jaroslav sieht, lernen die jungen Deutschland-Experten im Laufe des "Bayerisch-Tschechischen Gastschuljahres" aber auch ihre eigene Heimat aus einem neuen Blickwinkel kennen.

Bild (Quelle: EUREGIO EGRENSIS): Die tschechischen Gastschüler des Max-Reger-Gymnasiums Viktor Fišera (links), Nela Hudáková (2.v.l.) und Josef Straka (rechts) mit der Bayerischen Staatsministerin Müller und dem Direktor des MRG, Franz Gleixner zu Gast in der Bayerischen Staatskanzlei.
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