04.06.2006
Stoiber: Bayern bleibt verlässlicher Anwalt
(DTPA/MT) NÜRNBERG: Bayerns Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber hat beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg für einen offenen politischen Dialog mit Tschechien unter Beteiligung der Sudetendeutschen geworben. Stoiber: „Für eine gute Zukunft in einem gemeinsamen Europa brauchen wir eine Politik der guten Nachbarschaft. Dazu gehört ein enger Austausch auf allen Gebieten, aber eben auch der gemeinsame Wille, Unrecht aufzuarbeiten, das sich unsere Völker im 20. Jahrhundert angetan haben.“ Stoiber sagte, Bayern sei bereit für einen Dialog mit der tschechischen Seite. Für ihn als Schirmherrn der Sudetendeutschen sei es aber selbstverständlich, dass er bei einem offiziellen Besuch in der Tschechischen Republik von Sudetendeutschen begleitet werde. Stoiber: „Es gehört zu guten nachbarschaftlichen Beziehungen, dass schwierige Fragen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Zukunft gestalten heißt geschehenes Unrecht heilen, nicht Schlussstriche ziehen.“ Die kollektive Vertreibung der Deutschen ist und bleibt nach Stoibers Worten ein völkerrechtswidriger Akt und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Stoiber: „Wir wissen, dass dem Unrecht der Vertreibung deutsches Unrecht vorausging. Aber das eine Unrecht rechtfertigt nicht das andere. Keine Seite sollte etwas ausklammern, keine Seite etwas beschönigen.“
Stoiber begrüßte die Absicht Tschechiens, die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern zu intensivieren. Gleichzeitig zeigte sich Stoiber erfreut darüber, dass sich im Verhältnis Tschechiens zu den Sudetendeutschen als viertem Stamm in Bayern in den letzten Jahren einige positive Veränderungen ergeben haben. Der Empfang des Sprechers der Sudetendeutschen Johann Böhm in der Tschechischen Republik, das Gedenken tschechischer Senatoren und Abgeordneter für die Opfer der Vertreibung im vergangenen Jahr in München und die Initiative der tschechischen Regierung für ein Forschungsprojekt zum sudetendeutschen Widerstand gegen das Hitler-Regime seien erfreuliche Signale. Er erwarte von der neuen tschechischen Regierung jetzt aber auch einen Durchbruch für einen runden Tisch über die großen offenen Fragen wie das Straffreistellungsgesetz von 1946 oder die Beneš-Dekrete. Stoiber: „Unser gemeinsames Ziel sollte sein, den Sudetendeutschen, die vor 60 Jahren rechtlos aus Böhmen ausgestoßen wurden, ihre Würde zurückgeben und sie in die Geschichte und Gemeinschaft ihrer Heimat zurückholen. Das wäre ein wahrhaftiges Zeichen der Versöhnung.“ Stoiber betonte, Bayern bleibe bei der Aufarbeitung der Vergangenheit auch künftig der verlässliche Anwalt der Sudetendeutschen.
Stoiber stellte besonders die großartige Integrationsleistung heraus, die die Menschen in Bayern nach der Vertreibung erbracht haben. Bis Ende 1946 seien allein in Bayern rund 1 Million sudetendeutsche Vertriebene angekommen. Gemeinsam mit allen Heimatvertriebenen hätten die Sudetendeutschen dem Land kräftige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Impulse gegeben und am Aufstieg Bayerns vom Agrarland zum High-Tech-Standort mitgearbeitet. Umgekehrt gebe der Freistaat den sudetendeutschen soziale, geistige und emotionale Heimat. Stoiber: „Der Aufstieg Bayerns zum modernen Industriestaat in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wäre ohne die großartige Gemeinschaftsleistung der Einheimischen wie der Vertriebenen nicht möglich gewesen. Bayerns Wirtschaftswunder war auch ein Integrationswunder. Die Menschen in unserem Land können stolz sein auf dieses große gemeinsame Werk.“

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