18.05.2000
Lungenkrebs-Studie bei Uranbergarbeitern
(DTPA) SALZGITTER/SCHLEMA: Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, gab gestern in der erzgebirgischen Bergarbeiterstadt Schlema den Beginn einer neuen Untersuchung zum Zusammenhang zwischen radioaktivem Radon und Lungenkrebs bekannt. Er stellte das Konzept einer umfangreiche Studie vor, die das BfS ab Juni 2000 unter ehemaligen Beschäftigten der Wismut durchführen wird. Untersucht werden darin auch Einflüsse anderer Schadstoffe bei den Bergleuten der Wismut.
Die "Fall-Kontrollstudie Lungenkrebs" ist Teil der deutschen Uranbergarbeiterstudie. Groß angelegte Untersuchungen über gesundheitliche Risiken durch Radonbelastung bei rund 60.000 Uranbergarbeitern sowie eine geplante Untersuchung an den Nachkommen der Bergleute bilden weitere Teile der Studie.
In den sächsisch-thüringischen Uranerz-Bergwerken waren die Arbeiter unter Tage erhöhter Strahlenbelastung ausgesetzt. Verursacht wurde die Strahlung vor allem durch das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon und seine Zerfallsprodukte. Bis heute sind etwa 7.000 ehemalige Wismut-Arbeiter an Lungenkrebs erkrankt. In der geplanten Fall-Kontroll-Studie wird der Einfluss verschiedener Risikofaktoren untersucht, die bei Beschäftigten im Uranbergbau zum Krankheitsbild Lungenkrebs geführt haben können. Dazu werden die Lebensumstände und -gewohnheiten von 3000 mittlerweile verstorbenen ehemaligen Wismut-Arbeitern ermittelt.
Das BfS ist auf Mithilfe angewisen. "Der Erfolg der Studien hängt von der Bereitschaft aller ausgewählten Personen ab, daran mitzuwirken. Nur bei hoher Beteiligung lassen sich belastbare Ergebnisse erzielen, die Voraussetzung für einen effektiven Schutz vor den Gefahren des Radons sind", hob Wolfram König hervor. Weiter führte er aus: "Diese Studie findet im europäischen Forschungsverbund statt. Vergleichbare Untersuchungen laufen in Frankreich und Tschechien. Die Ergebnisse werden helfen, zukünftige Strahlenschutzempfehlungen der Europäischen Union auf eine sichere Basis zu stellen!"
Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen werden nicht nur für den vorbeugenden Gesundheitsschutz bei Bergarbeitern benötigt, sondern dienen auch dem Schutz der Bevölkerung insgesamt. Neben Arbeitsschutzmaßnahmen lassen sich daraus auch Empfehlungen für die Sanierung von Häusern mit erhöhter Radonkonzentration in der Raumluft ableiten. Insbesondere in Bergbauregionen treten erhöhte Radonkonzentrationen auch in Wohngebäuden auf. Im Vergleich zu den Belastungen im Uranbergbau sind diese Konzentrationen allerdings gering.
Radon kommt überall in den Böden und Gesteinen der Erdkruste vor und ist für mehr als die Hälfte der natürlichen Umweltradioaktivität verantwortlich. Es entsteht beim radioaktiven Zerfall von natürlichem Uran. Das Edelgas Radon ist farb-, geruchs- und geschmacklos. Es dringt durch feinste Risse und Spalten aus dem Untergrund in die Atemluft. Über die Atemwege gelangt es in die Lunge. Radon-222 ist selbst radioaktiv und zerfällt weiter in Folgeprodukte, die ebenfalls radioaktiv sind. Dabei tritt ionisierende Strahlung auf, die in der Lunge Zellveränderungen hervorrufen und Krebs auslösen kann.

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