01.06.2006
Euregio Egrensis beseitigt Missverständnisse
(DTPA/PF) EUREGIO EGRENSIS: Seit 1995 besuchten mehr als dreihundert tschechische Gastschüler mindestens für ein halbes Jahr Gymnasien im bayerischen Teil der Euregio Egrensis. Vor allem in Amberg, Weiden, Pegnitz, Bayreuth, Wunsiedel und Selb wecken auch in diesem Schuljahr wieder Dutzende von SchülerInnen aus Tschechien die Aufmerksamkeit für das Leben im Nachbarland.
Und trotzdem ist der Schulalltag und das Schulsystem Tschechiens in Deutschland noch immer viel zu wenig bekannt und deshalb eine sprudelnde Quelle von Missverständnissen. Damit räumt nun ein von der Euregio Egrensis herausgegebener, zweisprachiger Leitfaden auf. Er wurde im Rahmen von CLARA@eu – dem ersten EU-Projekt zur grenzüberschreitenden Vernetzung bayerischer, böhmischer und sächsischer Behörden – konzipiert und liefert unter dem Titel „Das Schulsystem in Bayern, Sachsen und der Tschechischen Republik – mit Glossar“ eine Fülle von ebenso nützlichen wie erstaunlichen Informationen.
Welcher Deutsche weiß schon, dass die tschechische Grundschule der Grund- und Hauptsschule in Deutschland entspricht und dass in Tschechien Realschulen unbekannt sind, man aber nach der neunten Klasse „Grundschule“ auch noch aufs Gymnasium gehen kann? Dass in Tschechien auch SchülerInnen am Gymnasium als Studenten (student/-ka) bezeichnet werden und dass Lehrer in Tschechien nicht mit ihrem Familiennamen angesprochen werden, sondern mit „Herr Lehrer/Frau Lehrerin“ bzw. am Gymnasium mit „Herr Professor/Frau Professorin“. Dass man das Abitur in Tschechien an einer „Mittelschule“ ablegt und dass es an vielen Schulen nur mündlich abläuft und diese Prüfung öffentlich ist?
Unterschiede über Unterschiede; ihr Spektrum geht von den Bildungswegen über die Schulbücher bis hin zum Schulalltag. Was das tschechische Bildungswesen dabei deutlich hervorhebt, das ist erstens die obligate Vorschulerziehung im Kindergarten, zweitens die in die schulischen Einrichtungen integrierten weiteren Dienstleistungen wie Zentren zur Freizeitgestaltung, Schulkantinen oder Internatsunterbringung, und schließlich die nicht duale, berufliche Ausbildung in der Schule.
Große Unterschiede im Bildungswesen gibt es freilich nicht nur, wie der Leitfaden eindrucksvoll darlegt, zwischen Tschechien und Bayern, sondern auch zwischen Bayern und Sachsen, stellvertretend für alle anderen deutschen Bundesländer. Während zum Beispiel die LehrerInnen in Bayern nach dem zweiten Staatsexamen nach wenigen Jahren Beamte auf Lebenszeit werden und Titel wie Oberstudienrat oder Realschullehrer tragen, sind die sächsischen LehrerInnen in der Regel als Angestellte ohne explizite Dienstbezeichnung tätig. Oder: In Sachsen heißt die Hauptschule Mittelschule und ermöglicht neben dem Hauptschulabschluss auch den der Realschule, die in Bayern wiederum als eigener allgemeinbildender Schultyp geführt wird.
Der Leitfaden bringt durch seinen überlegten Aufbau eine gewisse Ordnung in die verwirrende Vielfalt. Dazu gehören ein Vergleich der Schulsysteme, grafische Darstellungen, ein Abkürzungsverzeichnis, vor allem aber ein deutsch-tschechisches und tschechisch-deutsches Glossar mit Hinweis auf die so genannten „falschen Freunde“, Worte die gleich übersetzt werden, aber in beiden Sprachen Unterschiedliches bedeuten.

Copyright © 2006 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!