02.05.2006
Literaturwettbewerb kürt jugendliche Sieger
(DTPA/MTL) PASSAU: Jugendliche schreiben. Das ist nichts Ungewöhnliches, möchte man meinen. Dennoch sieht sich die junge Literatur oftmals dem Argwohn ihrer eigenen Generation gegenüber. Denn Jugendliche können es meist nicht verstehen, warum ihre Altersgenossen Sprache als Forum für eigene Gefühle und Ideen begreifen. Doch das Bild hat sich gewandelt und stetig scheint sich die junge Schriftkultur zu emanzipieren. Ohne Scheu tragen junge Autoren ihre Texte vor. Gehen selbstbewusst mit ihren Werken an die Öffentlichkeit.
Das mag die große Resonanz erklären, die der in Südböhmen, Oberösterreich und Niederbayern ausgeschriebene Literaturwettbewerb „Sprichcode“ erfuhr, dessen Sieger nun bei drei Abschlussveranstaltungen geehrt wurden. Über 1.400 Texte, mehr als 2.000 Fotografien gingen bei den Veranstaltern ein. Die Stadtgemeinde Leonding hatte den Wettbewerb in Oberösterreich, der Verband für interkulturelle Bildung „United Scene Group“ (USG) in Niederbayern und das Kreisamt Südböhmen in Tschechien jeweils organisiert. Schirmherren waren Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Dr. Jan Zahradník aus Südböhmen und der Niederbayerische Regierungspräsident Dr. Walter Zitzelsberger.
„Der Wettbewerb war ein großer Erfolg“, resümiert dessen Initiator und künstlerische Leiter Leo Kislinger aus Linz. Kislinger beeindruckt vor allem die gute Qualität der Einsendungen aus Niederbayern. "Gerade der Bayerische Wald ist als Epizentrum voll von jungen, kreativen SchriftstellerInnen enttarnt worden - wir haben wieder eine neue Szene entdeckt", freut sich auch Andreas Dittlmann von der USG.
Besonders die des Siegertextes der Grafenauerin Kristina Schilke (19). In „Nochmal sehen“ hat sich die Abiturientin eines schwierigen Themas angenommen: Es geht um die Fähigkeit, zu verzeihen. Ihre Geschichte beginnt mit einer Erinnerung. „Damals, als ich noch schön war“, resümiert Schilkes Protagonistin Dolores, den Blick auf ein altes Foto von sich gerichtet. Nunmehr, etwa 20 Jahre später, ist sie krank: HIV-positiv; absichtlich angesteckt von Ivor, der nun um Verzeihung bittet. Die aber vermag sie nicht auszusprechen. Dennoch bleibt Dolores im Moment seines Todes bei ihm.
„Ich will mit meiner Geschichte Stimmungen weitergeben“, sagt Kristina Schilke. Erziehen wolle sie nicht. Ähnliche Motive hat auch Leah Spitzenpfeil (18), die mit „Kopfstimme“ den zweiten Platz belegte, einer Geschichte über Magersucht als Tabuthema. „Die Message steht für mich nicht im Mittelpunkt“, erläutert die Passauerin, die wie Schilke schon als Kind geschrieben hat. Aber wie fühlt es sich an, vor Gleichaltrigen zu lesen? Kristina Schilke: „Mir ist das nicht peinlich. Ich mag es sogar, vor Publikum zu stehen.“ Leah Spitzenpfeil konstatiert: „Beim Schreiben ist etwas Persönliches dabei - man offenbart sich.“ Aber Außenseiter sei sie deswegen nicht. Warum auch? Denn Probleme, Sehnsüchte und Ängste hat jeder Jugendliche. Mutig sind aber diejenigen, die sie zu Papier bringen.
Die Sieger in Niederbayern: Veronika Stöckl (Essenbach), Julia Preidel (Straubing), Leah Spitzenpfeil (Passau) und Kristina Schilke (Grafenau), Kategorie Literatur. Julia Weidinger (Passau), Kategorie Fotografie.
Ein halbes Jahr lang wurde der Wettbewerb mit trilateralen Literatur-Workshops, Lesungen und Onlineforen im gesamten Dreiländereck begleitet. Möglich geworden ist dies durch die finanzielle Beteiligung der Europäischen Union aus mitteln des Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Unterstützung der Regierung von Niederbayern, der Städte Passau, Leonding und Budweis und vielen Sponsoren und Partnern.

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