17.01.2006
Havarie in Tschechien bedroht Elbe
(DTPA/MT) DRESDEN: Eine Havarie mit Zyanid in Tschechien bedroht die Elbe. Für den sächsischen Flussabschnitt besteht nach bisherigen Erkenntnissen keine Gefährdung. Prognostiziert wird, dass die Schadstoffwelle in dieser Nacht Sachsen erreicht.
Tillich äußerte sich enttäuscht über die Informationspolitik von tschechischer Seite:„Als unmittelbarer Nachbar hätten wir eine zeitnahe und kurzfristige Information erwartet“. Tillich telefonierte heute (17.01.) Mittag deshalb mit seinem Amtskollegen Libor Ambrozek. Dieser sicherte ihm konkrete Informationen zu dem Vorfall zu. „Im Havariefall müssen Meldeketten gut funktionieren“, betonte Tillich. Automatische Messstellen wie sie beispielsweise in Schmilka stehen, würden nicht alle Belastungen zuverlässig nachweisen. Wasserentnahmen und anschließende Untersuchungen im Labor seien für belastbare Angaben unabdingbar.
Das sächsische Umweltministerium war gestern am Nachmittag informiert worden, dass in der Tschechischen Republik bei Nymburk Zyanid in die Elbe gelangt sei. Auf tschechischer Seite war es daraufhin zu einem Fischsterben gekommen. Der Unfall passierte am Kilometer 164, noch vor der Moldaumündung. An der Mündung wird mit einer starken Verdünnung der Konzentration gerechnet. Bis die Schadstoffwelle nach Sachsen gelangt, werden nur noch geringe Mengen der Chemikalie nachweisbar sein. Auch wenn die Zyanidwerte über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser von 0,05 Milligramm pro Liter liegen sollten, ist die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet, da in Sachsen kein Trinkwasser direkt aus der Elbe entnommen wird.
Die Schadstoffwelle übertritt voraussichtlich am 17. Januar gegen Mitternacht die Grenze zu Sachsen, in den Abendstunden des darauf folgenden Tages wird es Dresden passieren. Am 20. Januar wird sie am frühen Morgen in Torgau Sachsen wieder verlassen. Sachsen ist Teil des Elbe-Warnsystems der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE). Über diesen internationalen Warn- und Alarmplan Elbe sollen Informationen zeitnah an die zuständigen Stellen weitergeleitet werden.

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