10.01.2006
„Einbahnstraßen“- Lösung an der Grenze
(DTPA/MT) DRESDEN/ CHEMNITZ: Nur noch halb so viele Transit-Lkw wie jetzt sollen künftig auf der Europastraße 55 (B170-I/8) fahren. Sachsen und Tschechien wollen dafür am Grenzübergang Altenberg - Cinovec Lastkraftwagen ab 12 t Gesamtgewicht nur noch in Richtung Deutschland abfertigen. Der Gegenverkehr soll vorrangig den Übergang Neugersdorf in der Oberlausitz oder auch den Übergang Schönberg im Vogtland nutzen.
Nach Zustimmung des Bundes und einer Vereinbarung der deutschtschechischen Innenministerien könnte die Regelung im Februar in Kraft treten. Die erweiterte Nutzung des Grenzübergangs Reitzenhain für Schwerlastverkehr wurde von tschechischer Seite abgelehnt, ebenso wie ein Nachtfahrverbot auf der B 170/I 8 wegen fehlender Stauflächen.
„Mit dieser ‚Einbahnstraßen’-Lösung erhöhen wir die Verkehrssicherheit“, begründet Staatsminister Thomas Jurk diese Vereinbarung. „Ich freue mich, dass Tschechien unseren Vorschlag mitträgt.“ Mit der EU-Erweiterung sei der Transit-Lkw-Verkehr enorm angestiegen. Vor allem bei der Begegnung der Schwerlaster und in Abschnitten mit großem Gefälle habe sich damit auch die Unfallgefahr drastisch erhöht.
Zudem stehen umfangreiche Bauarbeiten im Bereich Obercarsdorf, Dippoldiswalde und Schmiedeberg an, die abschnittsweise halbseitige Straßensperrungen nötig machen werden. Schon jetzt führen Verkehrsstörungen auf der E55 regelmäßig zu Rückstaus auf der A 17 im Stadtbereich Dresden.
„Ende 2006 steht dem Schwerlastverkehr mit der Autobahn Dresden- Prag eine schnelle und komfortable Verbindung zur Verfügung“, so Jurk. Er halte es darum für die Speditionen für zumutbar, für diese Übergangsmonate eine längere Wegstrecke in Kauf zu nehmen. Der regionale Wirtschaftsverkehr ist nicht betroffen.
Nach Fertigstellung der A 17 soll der Grenzübergang Altenberg nur noch für Pkws und regionalen Wirtschaftsverkehr geöffnet sein. Auch darauf verständigten sich Jurk und Kubinek in ihrem Gespräch.
Kritik gibt es von der IHK. In einer Pressemitteilung heißt es: „Mit Befremden haben die sächsischen Industrie- und Handelskammern die Verlautbarungen des Sächsischen Wirtschaftsministers zur Sperrung des Grenzübergangs Altenberg - Cinovec für den ausreisenden LKW- Verkehr nach Tschechien zur Kenntnis genommen. Die weitere Verschärfung der Situation im grenzüberschreitenden Güterverkehr mit der Tschechischen Republik steht im krassen Gegensatz zu den jahrelangen Forderungen der gewerblichen Wirtschaft nach weiteren wirtschaftsrelevanten Grenzöffnungen.
Anstatt zur europäischen Drehscheibe für den West-Ost-Verkehr entwickelt sich Sachsen so mehr und mehr zum Nadelöhr für das wachsende europäische Güteraufkommen.
Die örtliche Wirtschaft, die sich nach der EU- Osterweiterung in einem harten Wettbewerb mit den östlichen Nachbarn befindet wird damit der Chance beraubt, auf kurzen Wegen die neuen Märkte zu erschließen. Grenzüberschreitende ins Nachbarland entstandene Wirtschaftsbeziehungen werden erheblich gefährdet. Den Problemen entlang der B 170 kann nicht mit neuen Restriktionen begegnet werden, sondern mit mittelfristig tragfähigen Lösungen. Dazu gilt es, die wachsenden Güterströme auf zusätzliche Grenzübergänge zu verteilen oder sinnvolle Alternativen wieder neu zu beleben.
Dabei muss auch in Erwägung gezogen werden, die Rollende Landstrasse von Dresden nach Lovosice für die Zeit bis zur Entlastung durch die Autobahn A 17 wieder in Betrieb zu nehmen. Gerade in den Wintermonaten hat sich diese zusätzlich Alternative bei extremen Witterungsbedingungen bewährt."

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