02.05.2000
Maikundgebungen in Tschechien
(DTPA) MOST/PRAG/ZLIN: Vor 20.000 Teilnehmern begingen die tschechischen Kommunisten den 1. Mai traditionsgemäß mit einer Kundgebung auf dem Prager Letna-Plateau. In seiner Maiansprache rief der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens, Miroslav Grebenicek, den Präsidenten Vaclav Havel dazu auf, Rechenschaft über seine - so Grebenicek wörtlich - "zweckdienlichen Erklärungen" abzulegen, berichten Rundfunksender. Des weiteren lehnte Grebenicek den Beitritt der Tschechischen Republik in die Europäische Union ab, die ihm zufolge nur dem übernationalen Kapital diene, und er sprach sich für eine Aktion des bürgerlichen Ungehorsams aus.
Mitglieder der Föderation sozialer Anarchisten forderten auf einer Kundgebung in Most (Brüx) am 1. Mai eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden.
In Prag kam es erwartungsgemäß zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Anarchisten. Mehr als 50 Menschen wurden festgenommen.
Im mährischen Zlin wiederum feierten Hunderte von Einwohnern der Stadt den 1. Mai gemeinsam mit Tomas Bata, dem Sohn des weltberühmten Schuhfabrikanten, im Garten des Geburtshauses des Unternehmers. Dabei erinnerten sie an den 1. Mai vor 78 Jahren. Damals lud Bata senior seine Arbeitnehmer und deren Angehörige zum ersten Mal zur Maifeier ein, die einen Gegenpol zu den kommunistischen Feierlichkeiten darstellte. Darüber hinaus würdigte man das Verdienst von Bata. Er hatte mit seinem Schuhimperium die Stadt Zlin und die Tschechische Republik über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

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