19.11.2005
Georg Dehio-Kulturpreises 2005
(DTPA/MTL) BERLIN: Am 23. November 2005 (19 Uhr, Deutsche Bank, Unter den Linden 13-15, 10117 Berlin-Mitte) wird der Dokumentarfilmregisseur Volker Koepp mit dem Hauptpreis des Georg Dehio-Kulturpreises ausgezeichnet. Der Ehrenpreis geht an die tschechische Bürgerinitiative »Antikomplex« für ihre Ausstellung Das verschwundene Sudetenland. Die Preise werden von Prof. Dr. Johanna Wanka, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, im Rahmen eines Festaktes überreicht.
Mit dem Georg Dehio-Kulturpreis werden Persönlichkeiten und Institutionen/ Initiativen ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise mit den Traditionen und Interferenzen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa bewahrend, zukunftsorientiert und im partnerschaftlichen Dialog mit den Nachbarn auseinander setzen.
Der Preis wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dotiert und gliedert sich in einen Hauptpreis (12.000 Euro) für ein (künstlerisches) Gesamtwerk und einen Ehrenpreis (8.000 Euro) für eine herausragende und richtungsweisende Einzelleistung.
Der renommierte Dokumentarfilmregisseur Volker Koepp hat sich mit eindrucksvollen Filmen besondere Verdienste um das gemeinsame Kulturerbe erworben, das Deutsche und ihre östlichen Nachbarn verbindet. Mit seinen Filmen über Orte und Landschaften im östlichen Europa - von Ostpreußen bis Czernowitz - holt Volker Koepp die Kultur und Geschichte dieser Stätten, die nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend vergessen wurden, wieder ins Bewusstsein zurück. Die Filme machen das Schicksal von Menschen, die einst dort gelebt haben oder heute noch dort leben, anschaulich und wecken ein neues Interesse an vergessenen und verdrängten Themen der deutschen Geschichte im östlichen Europa.
Kalte Heimat (1994/95) ist der erste Film, den Volker Koepp nach der Öffnung der Grenzen zwischen Ost und West realisierte - er nutzte die Möglichkeiten auf seine Weise und reiste auch in ehemalige Sperrgebiete. Dabei entstanden Filme wie Kurische Nehrung, Herr Zwilling und Frau Zuckermann oder Pommerland, in denen Koepp das alte Ostpreußen, das Memelland, die Bukowina, Pommern erkundet und mit seinen eindrucksvollen Bildern unsere Vorstellung von diesem europäischen Kulturraum wie kein anderer Filmemacher geprägt hat: frei von Nostalgie, neugierig auf Landschaften und Menschen, geschichtsbewusst. Eine sehr individuelle Ästhetik und ein sensibles, tiefes Verständnis für den Gegenstand seiner Filme - die Menschen und die Landschaften - kennzeichnen die Filme von Volker Koepp.
Die Laudatio auf Volker Koepp hält Dr. Rainer Rother, Leiter des Zeughauskinos Berlin.
In dem Ausstellungsprojekt Zmizelé Sudety/Das verschwundene Sudetenland dokumentiert »Antikomplex« die untergegangene sudetendeutsche Welt und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu dem in Tschechien stattfindenden Prozess der konstruktiven und zukunftsweisenden Auseinandersetzung mit dem deutschen Erbe in den böhmischen Ländern. Das Ausstellungsprojekt trägt in vorbildlicher Weise zur Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen bei.
»Antikomplex« wurde als »Bürgerbewegung gegen Fremdenfeindlichkeit« 1998 von Studenten und Schülern in Prag gegründet. Das Ziel war eine kritische Reflexion der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die Beschäftigung mit der »sudetendeutschen« Kultur und die Vermittlung dieser schwierigen Themen der deutsch-tschechischen Geschichte an junge Menschen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Darstellung und Dokumentation der Landschaft in den tschechischen Grenzgebieten. Das Ausstellungsprojekt Zmizelé Sudety/Das verschwundene Sudetenland vergleicht auf mehr als 100 Fotografien den Zustand der Landschaft vor der Vertreibung der Deutschen mit der heutigen Situation. Die Bilder stellen sechs verschiedene Regionen, darunter das Erz- und Riesengebirge sowie das Braunauer Ländchen, vor. Die Ausstellung war zum ersten Mal 2002 in Prag zu sehen und wurde seitdem in mehr als 20 Orten in der Tschechischen Republik und in Deutschland gezeigt.
František Èerny, Botschafter der Tschechischen Republik a. D., hält die Laudatio auf »Antikomplex«.
Weitere Informationen: http://www.kulturforum.info

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