23.10.2005
Erstmals bayerisch-tschechischer Vergabeausschuss
(DTPA/PF) MARKTREDWITZ: Zum ersten Mal entschied ein bayerisch-böhmischer, paritätisch besetzter Vergabeausschuss der Euregio Egrensis über die begehrten europäischen Fördermittel für grenzüberschreitende Kleinprojekte. Diese Premiere war ein großer Schritt auf dem Weg in die europäische Normalität. Denn bisher behandelte die deutsche und tschechische Seite europäische Projekte getrennt und nach unterschiedlichen Programmen. Jetzt werden die EU-Gelder – eineinhalb Jahre nach dem Beitritt Tschechiens in die EU und zum Interreg-Fördergebiet - von einem gemeinsamen Gremium gleichberechtigt und partnerschaftlich vergeben.
Die erste Ausschusssitzung unter der Tandem-Leitung von Präsidentin Dr. Birgit Seelbinder und Präsident Václav Jakl verlief mustergültig: Die zur Entscheidung stehenden Projekte werden jeweils von der deutschen oder tschechischen Geschäftsstelle vorgestellt und anschließend gemeinsam diskutiert. Von besonderem Interesse sind dabei die Projektträger und auch die Partner aus dem jeweiligen Nachbarland. Dass hier Fragen nach Qualität der Partnerschaft gestellt werden, versteht sich von selbst. Immerhin geht es hier um finanzielle Zuwendungen für Projekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Am Ende der Diskussion steht gemäß der neuen Geschäftsordnung ein Beschluss, dem beide Delegationen ihre Zustimmung geben müssen.
Welche Entscheidungen diesmal gefallen sind? Den erhofften Zuspruch erhielt auf der bayerischen Seite wie schon früher ein breites Spektrum euroregionaler Akteure. Darunter finden sich Sport- und Kulturvereine, Bildungsträger, Schulen, Kammern, Kommunen und Landkreise. Das Sonderpädagogische Förderzentrum Tirschenreuth und die Sonderschule Plana etwa erhalten für die schon lange geplanten „Tage der Orientierung“ Geld aus Brüssel. Gefördert wird der vom Stadtsportverband Marktredwitz und dem CSTV Cheb beantragte „Euregio Egrensis Marathon“ bei der „Grenzenlosen Gartenschau“ 2006. Die Städtepartner Hof und Cheb finden EU-Unterstützung für die Erarbeitung deutsch-tschechischer Print- und Internet-Präsentationen im Bereich Tourismus. Das bayerische und tschechische Rote Kreuz kann mit EU-Förderung im Einsatzgebiet Amberg, Weiden, Tirschenreuth und Hof problemspezifische Schulungskurse für den Rettungsdienst, inklusive Verbesserung der Sprachkompetenz, veranstalten. Und um noch ein letztes, wiederum ganz anders geartetes Beispiel zu geben: Juristen dürfen sich auf den 3. fränkisch-tschechischen Juristentag in Bayreuth im November freuen, den die tschechische und die für Oberfranken zuständige Rechtsanwaltskammer mit EU-Geldern auf den Weg bringen kann.
Diese Kleinprojekte – 25 bayerische und 14 tschechische Anträge wurden diesmal verhandelt - werden zwar klein genannt, sind aber in ihrer Wirkung über die Jahre gar nicht zu unterschätzen. Sie sind das Salz in der Suppe des „Großprojekts lebendige Euroregion“. Harald Ehm, der Geschäftsführer des bayerischen Teils der Euregio Egrensis, drückt ihre Bedeutung so aus: „Also ich finde, dass diese Kleinprojekte phantastisch sind. Hier wird das oft geforderte ‚people to people’-Prinzip eingelöst. Bei ihnen tut sich wirklich was zwischen den Menschen.“

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