29.09.2005
Zum 10.Mal: Bayerisch-tschechisches Gastschuljahr
(DTPA/GS) MARKTREDWITZ: Für dreißig tschechische SchülerInnen beginnt soeben nicht nur ein neues Schuljahr, sondern auch ein einjähriger Aufenthalt in einer bayerischen Gastfamilie und der Besuch eines regionalen Gymnasiums. Die Euregio Egrensis ermöglicht dieses „Bayerisch-tschechische Gastschuljahr“ nun schon seit zehn Jahren und verzeichnet damit wachsenden Erfolg.
Die 140 Teilnehmer der offiziellen Eröffnung des diesjährigen Gastschuljahres in Marktredwitz – darunter Gastschüler, Eltern, Lehrer und Organisatoren - machten das große Interesse an dem Projekt sichtbar. Neun Gymnasien sind in diesem Jahr mit von der Partie. Die Schüler verteilen sich auf Selb, Wunsiedel, Amberg, Bayreuth, Pegnitz und allen voran wieder einmal Weiden mit zehn Gastschülern. Das legendäre erste „Gastschuljahr für höhere Schüler Westböhmens“ am Augustinus-Gymnasium Weiden 1995/96 hat, gehegt und gepflegt seitens der bayerischen Euregio Egrensis und ihrer Präsidentin Dr. Birgit Seelbinder, Früchte getragen.
Die Präsidentin Seelbinder berichtete bei dem Starttreffen erfreut, dass sich auch eine zunehmende Zahl deutscher Schüler von ihren tschechischen Mitschülern einladen ließe, für zwei bis drei Wochen ein tschechisches Gymnasium zu besuchen. Im vergangenen Jahr wagten auf diese Weise fünfzehn deutsche Schüler den Sprung ins Nachbarland und kehrten um einige Erfahrungen reicher nach Hause zurück.
Egal ob die Reise nun hierhin oder dorthin geht, der Aufenthalt hat nichts mit subventionierten Ferien zu tun. Ziele des Projekts sind neben der Verbesserung der Sprachkenntnisse Einblicke in die Kultur, Wirtschaft, Geschichte und den Alltag des Nachbarlands. Hinzu kommt als der vielleicht wichtigste Punkt das persönliche Erleben, das gegenseitige Vorurteile und Erwartungshaltungen wie von selbst korrigiert. So erfüllte sich zwar für die befragten letztjährigen Gastschüler aus Tschechien die Vorstellung, das die Deutschen besonders pünktlich und ordentlich seien, aber die Befürchtung, sie wären außerdem verschlossen, unfreundlich und herablassend gegenüber Fremden bestätigte sich nicht im geringsten.
Das „Gastschuljahr“ hängt dabei nicht etwa im luftleeren Raum. Es ist vielmehr ein anhaltend inspirierender Beitrag für das soziale deutsch-tschechische Netzwerk. Aus Sicht der Partnerschaft zwischen den Gymnasien in Sokolov und Amberg stellt sich das Gastschuljahr zum Beispiel als I-Tüpfelchen eigener Aktivitäten dar. Denn die „Amberger“ nehmen umgekehrt gleich klassenweise an Tschechisch-Crashkursen in Sokolov teil. Und es gibt auch schon den Fall Pegnitz-Slany: Aus einer Schulpartnerschaft entwickelte sich eine veritable Städtepartnerschaft.
Lars Vollmar, der über ein Geschichts- bzw. Politikstudium mit Schwerpunkt deutsch-tschechische Beziehungen zur Euregio Egrensis stieß und seit einem Jahr für die Organisation des Gastschuljahrs in der Euregio Egrensis zuständig ist, weiß freilich auch, dass bei der Suche nach Gastfamilien noch immer sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig ist. Am Geld liegt es nicht; denn für die Aufnahme eines Gastschülers erhält jede Familie von der Euregio 220 Euro pro Monat. Und die Gastschüler können mit einem monatlichen Taschengeld von 20 Euro rechnen. Vollmars Fazit ist, dass man sich um Gastfamilien ständig kümmern müsse, damit aber auch für die interkulturelle Kompetenz der Region im vereinigten Europa werbe.

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