02.05.2000
Schlechte Noten für den Standort Tschechien
(DTPA) PRAG: Bei der traditionellen Frühjahrsumfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) in Prag wurden die Unternehmen um eine Bewertung der Rahmenbedingungen gebeten, die sie in Tschechien vorfinden. Dabei vergaben die Unternehmen trotz ihrer guten geschäftlichen Erfolge überwiegend schlechte Noten: Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) erhielt nur die tschechische Infrastruktur mit einem Durchschnittswert von 2,7 eine relativ gute Note. Auch das Steuersystem wurde mit 3,3 insgesamt noch als befriedigend bewertet. Wirtschaftspolitik, öffentliche Verwaltung und Rechtssystem mussten sich Noten zwischen 3,8 (unbefriedigend) und 4,0 gefallen lassen. Dabei kam das Rechtssystem (Durchschnittsnote 4,0) besonders schlecht weg. Jeweils mehr als ein Drittel der Befragten erteilten hier ein "unbefriedigend" oder "mangelhaft".
Diese offene Kritik an wichtigen Merkmalen des tschechischen Standortes ist ein deutliches Signal an die Politik. Tschechien steht im Standortwettbewerb zu anderen Staaten in Mittel- und Osteuropa. Unter den befragten Unternehmen plant über ein Drittel parallel zu ihrem Engagement in Tschechien auch Investitionen an weiteren Standorten in Mittel- und Osteuropa. Die Slowakei und Polen wurden am häufigsten als Zielländer genannt (33 Prozent und 26,1 Prozent der Nennungen). Es folgen Ungarn und Rumänien. Vor allem produzierende Unternehmen wollen Betriebe in anderen mittel- und osteuropäischen Staaten aufbauen oder erweitern. Wenn keine Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in Tschechien ergriffen werden, besteht die Gefahr, dass Neu- oder Erweiterungsinvestitionen verstärkt an anderen Standorten vorgenommen werden.

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