10.04.2000
Geraubte Kulturgüter im Internet zu finden
(DTPA) BERLIN/MAGDEBURG: Die Suche nach Kulturgütern, die ihren Eigentümern während der NS-Zeit weggenommen, geraubt, gestohlen oder anderweitig "verfolgungsbedingt entzogen" wurden, wird jetzt durch ein Internet-Angebot erleichtert. Der Staatsminister beim Bundeskanzler, Dr. Michael Naumann, Beauftragter der Bundesregierung für die Angelegenheiten der Kultur und der Medien, und Sachsen-Anhalts Kultusminister Dr. Gerd Harms haben heute gemeinsam in Berlin die Internet-Website www.LostArt.de vorgestellt. Auf dieser Internet-Website sollen künftig Museen, Bibliotheken und Archive die in ihrem Besitz befindlichen Kulturgüter veröffentlichen, von denen vermutet oder zumindest nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um derartige Objekte handelt. Den Opfern und ihren Erben bietet die Website Gelegenheit, ihre vermissten Kulturgüter auszuschreiben, zu suchen und zu finden.
Staatsminister Naumann wies in Berlin darauf hin, dass im Internet als erster Schritt die Daten von Kulturgütern aus ehemaligem Reichsbesitz veröffentlicht werden. Unter diesen Kulturgütern befinden sich auch Werke, die für ein von Hitler geplantes Museum in Linz an der Donau zusammengetragen worden waren. Nähere Einzelheiten zu der Geschichte der jetzt unter der Bezeichnung "Restbestand CCP" (Central Collecting Point) publizierten Objekte können der Einführungsseite zur Internet-Veröffentlichung entnommen werden. Die Bundesregierung und die Länder möchten mit der Veröffentlichung im Internet die ehemaligen Eigentümer oder deren Erben bei ihren Rückgabeverlangen unterstützen.
Durchgeführt wird das Internet-Projekt von der "Koordinierungsstelle der Länder für die Rückführung von Kulturgütern" in Magdeburg. Bereits seit1994 dokumentiert und recherchiert die Koordinierungsstelle im Auftrag aller 16 Bundesländer kriegsbedingte Verluste deutscher Einrichtungen.
Auf der aktuellen Website www.LostArt.de wird auch vermisste "Beutekunst", zunächst aus öffentlichen Sammlungen Sachsen-Anhalts und Berlins, veröffentlicht.
Bei dem Internet-Projekt handelt es sich um ein in Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeltes, zentrales, datenbankgestütztes Suchsystem (Suchmaske) zur Dokumentation und Recherche von Kulturgütern aus öffentlichem und privatem Eigentum. Die Koordinierungsstelle in Magdeburg soll künftig in eine von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte Einrichtung umgewandelt werden.

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